Sinner fegt dzumhur weg und nagelt djokovic mit zwei sätzen an die wand
69 Minuten. Keine Breakchance für Damir Dzumhur, keine Zweifel bei Jannik Sinner. 6:3, 6:3 – die Zahlen klingen routiniert, sind aber eine Bombe: Der Südtiroler zieht mit seinem 24. Satz in Serie bei Masters-Turnieren gleich mit Novak Djokovic und könnte schon gegen Corentin Moutet zum Alleingänger aufstehen.
Sinner rekordtauglich – und heute schon gelangweilt
Die Rallye der Zuschauer auf dem Grandstand schwappt nur noch in Wellen, wenn Sinner den Ball halbautomatisch in die Ecke nagelt. Dzumhur wirkt wie ein Sparring-Partner, der vergessen hat, dass er eigentlich ein Match spielt. Die Ballmaschine aus Südtirol serviert 11 Asse, verliert neun Punkte auf dem ersten Aufschlag und kassiert kein einziges Break. Die Statistik-Seite der ATP friert kurz ein – so viel Dominanz ist selten in Miami.
Hinter den Kulissen kocht die Rekord-Küche. 24 Sätze in Folge bei Masters – dieselbe Marke, die Djokovic 2015/16 aufstellte. Damals war die Tour noch nicht so schnell, die Bälle flogen nicht so straff wie heute. Sinner hat die Monatsansicht im Kalender durchgestrichen: Paris, Indian Wells, jetzt Miami. Zwölf Siege in Serie bei den Prestige-Events. Kein Spieler außer ihm steht derzeit im Viertelfinale, der auch in Indian Wells das Trophäen-Kissen schon im Koffer hatte.
Die Frage nach dem „Sunshine Double“ wirft Schatten. Nur sieben Spieler schafften Indian Wells plus Miami innerhalb eines Frühjahrs. Sinner könnte als Achter in die Geschichtsbücher, noch vor Sampras, noch vor Agassi. „Ich versuche, mich als Spieler zu verbessern“, sagt er und klingt dabei so emotionslos wie seine Vorhand flach. Kein Pathos, kein PR-Satz – nur Zahlen, die sich summieren.

Moutet als nächstes schleusentor
Am Freitag wartet Corentin Moutet, ein Linkshänder mit Tücken. Der Franzose rang in Runde zwei mit sich selbst, schaffte aber das Break zum 6:4, 6:4 gegen David Goffin. Gegen Sinner fehlt ihm die Erfahrung: 0:1 im Head-to-Head, ein Vier-Satz-Verlust in Melbourne. Die Buchmacher sehen Sinner bei 1,18 – ein Kurs, der mehr Respekt als Risiko ausdrückt.
Die Hitze in Miami schlägt diesem Freitag mit 31 Grad zu Buche. Sinner trainiert um 14 Uhr, wenn die Sonne senkrecht brennt. Sein Team misst Schlägerbeschleunigung und Sprintwege in Echtzeit. Die Daten fließen direkt ins Tablet von Coach Darren Cahill. Kein Zufall, dass Sinner seit 21 Matches nicht mehr fünf Sätze brauchte.
Die Konkurrenz schaut bereits nach Rom. Djokovic meldete sich mit Rückenproblemen ab, Alcaraz lahmt nach seinem frühen Aus in Miami. Die Rangliste aber ist nebensächlich geworden. Wer Sinner stoppt, bekommt nicht nur Punkte – er schreibt Geschichte. Die nächste Gelegenheit: heute, Court 1, gegen Moutet. Die Uhr tickt, die Serie lebt.
