Sinner erobert indian wells: 0:4-defizit im tiebreak gekillt, geschichte geschrieben

Jannik Sinner hat die Wüste zum Kochen gebracht. Im Finale von Indian Wells bügelte der 24-jährige Südtiroler einen 0:4-Rückstand im zweiten Tiebreak und zerlegte Daniil Medvedev mit zwei 7:6-Siegen. Der 25. Titel, der erste im „5. Grand Slam“, fehlt auf dem Beton nichts mehr – und plötzlich redet ganz Italien wieder mit ihm.

Der matchball, der alles auf den kopf stellte

17 Schläge lang trommelten die beiden auf dem zentralen Court, bis Medvedevs Vorhand ins Netz segelte. 17 Schläge, in denen Sinner zweimal die Lunge rausnahm, dreimal die Linie traf und einmal den Frame traf – und trotzdem gewann. Matchball. 7:4 im Tiebreak. Da stand er, der rothaarige Magier, zeigte auf sein Herz und wusste: Dieser Punkt war mehr als nur ein Punkt. Er war die Antwort auf die Frage, ob er nach den Halbfinal-Niederlagen in Melbourne und Doha noch einmal zurückkommen würde.

Die Antwort lautet: Ja. Mit Wucht. Mit 17 Assen, 97 % gewonnenen Punkten nach dem ersten Aufschlag und einer Mentalität, die selbst Darren Cahill sprachlos machte. „Er hat das Match im Kopf entschieden“, sagte der Coach und zog die Kappe über die TV-Kamera, weil die Aufmerksamkeit ihm zu viel wurde. Draußen tobte die Nacht, drinnen war nur noch Sinner.

Medvedevs rückkehr und die grenze, die er nicht überschritt

Medvedevs rückkehr und die grenze, die er nicht überschritt

Zwei Jahre hat der Russe auf eine Masters-1000-Finalteilnahme gewartet. Mit seinem neuen Coach Johansson schlug er Alcaraz, stoppte dessen 14er-Serie und glaubte, das alte Image als Sinner-Bogeyman wiederaufleben lassen zu können. Bis 4:0 im zweiten Tiebreak war er auf Kurs. Dann schlug Sinner die Retour, die Medvedevs Ellbogen zerbröselte – und mit ihm die Hoffnung.

„Ich habe ihn gesehen, wie er bei 0:4 die Schultern zurücknahm und plötzlich wieder diesen Blick hatte“, sagte Medvedev später. „Dieser Blick, der sagt: Jetzt wird aus Spaß Ernst.“ Es war derselbe Blick, mit dem Sinner in Peking 2023 die Serie von sechs Niederlagen gegen den Russen beendete. Seitdem steht es 8:7 für ihn. Die Bestie ist gezähmt, der Kreis geschlossen.

Ein tag für die italische sportgeschichte

Ein tag für die italische sportgeschichte

Noch während Sinner den Pokal über den Kopf hob, flatterte eine WhatsApp-Nachricht herein: Kimi Antonelli hatte in Melbourne seinen ersten Formel-1-Sieg gefeiert. „Ein großer Tag für Italien“, sagte Sinner in die Kamera und ließ den Satz einfach stehen. Keine Marketing-Phrase, keine Lippenbekenntnis. Nur ein Fakt.

Mit 24 Jahren ist er jetzt der Jüngste, der alle Beton-Krönungen gesammelt hat: Australian Open, US Open, ATP Finals, alle neun Masters-1000-Turniere. Die Zahl, die bleibt: 11.400 Punkte in der Live-Weltrangliste, nur 350 hinter Alcaraz. Die Nummer eins ist zum Greifen nah, aber das ist nebensächlich. Heute zählt nur der rote Sand der Wüste, der noch nach Gummi und Sieg riecht – und ein Bild, das sich Italien für die Ewigkeit einprägt: Sinner mit dem Pokal, Antonelli mit der Trophäe, zwei Kids, die das Land innerhalb von zwölf Stunden an die Spitze der Welt katapultiert haben.