Sinner bricht zusammen: seppi analysiert den zusammenbruch in roland garros
Paris – Jannik Sinner, der Weltranglistenerste, erlebte in Roland Garros einen unerwarteten Dämpfer. Nach einer dominanten Vorstellung gegen Cerundolo kam der junge Italiener im dritten Satz völlig aus dem Tritt, was zu einer überraschenden Niederlage führte. Sein ehemaliger Idol und Landsmann Andreas Seppi, der nun als Experte für Warner Bros. Discovery tätig ist, analysierte den Vorfall im Gespräch mit Riccardo Crivelli.
Die entscheidenden momente: ein plötzlicher energieverlust
Seppi, der Sinner seit seiner Jugend kennt, beobachtete aufmerksam das Match. „Auf 5:1 im dritten Satz, als Cerundolo aufschlagte, schien Jannik plötzlich die Kraft zu verlassen. Er zog einen harmlosen Vorhandball aus und begann dann mit dem Stretching, ein deutliches Zeichen, dass etwas nicht stimmte“, so Seppi. Der ehemalige Weltranglisten-18. betonte, dass die vier Fehler, die Sinner im folgenden Spiel beim Aufschlag beging, den Zusammenbruch verdeutlichten.
Die Ursache für den plötzlichen Energieverlust? Seppi schließt ein übermäßiges Wärme nicht aus, vermutet aber eher ein bereits bestehendes körperliches Problem, das durch die Hitze verschlimmert wurde. „Er gab ja selbst zu, dass er sich schon am Morgen nicht gut fühlte. Vielleicht hat ihm etwas nicht gesetzt.“
Ein verpasster Moment? Seppi kritisiert, dass Sinner den Medical Time-Out möglicherweise zu spät in Anspruch nahm. „Er hätte früher reagieren müssen, vielleicht schon ein paar Spiele vorher. Fünf Minuten Pause hätten ihm sicherlich geholfen, sich zu sammeln und neue Kraft zu tanken.“

Die belastung durch den turnierkalender
Die Frage nach der Belastung durch den dichten Turnierkalender der letzten Wochen wurde ebenfalls angesprochen. „Natürlich ist das ein Thema, das viele aufwerfen werden. Aber ein Top-Athlet kennt seinen Körper am besten. Wenn Jannik sich fit genug fühlte, um die drei Masters 1000-Turniere auf Sand zu spielen, dann hat er sich so entschieden.“ Seppi betont jedoch, dass es schwierig ist, in diesem Zeitraum ausreichend zu regenerieren und sich auf das Roland Garros zu konzentrieren. „Ein paar Wochen Trainingspause hätten ihm gutgetan, um neue Energie zu schöpfen.“
Im Vergleich zu Rafael Nadal, der in der Vergangenheit alle Sandplatzturniere dominierte, sieht Seppi einen entscheidenden Unterschied: „Nadal hatte eine unglaubliche taktische Vielfalt und konnte jede Situation meistern. Außerdem waren Madrid und Rom damals auf einer Woche angesetzt, was die Regeneration erleichterte. Die heutigen Masters 1000-Turniere mit 12 Tagen sind nicht unbedingt ideal für die Erholung.“
Seppi verweist auf eigene Erfahrungen mit der Hitze und Luftfeuchtigkeit, die ihm in Miami und Cincinnati oft zu schaffen machten. „Ich habe damals wenig getrunken, was die Situation nicht besser gemacht hat.“
Nun heißt es für Sinner, sich zu erholen und für Wimbledon neue Kraft zu sammeln. „Es ist wichtig, dass er in den nächsten Wochen gut trainiert und seinen Tank wieder auffüllt. Sein Team ist hervorragend, ich bin zuversichtlich, dass er wieder stärker zurückkommt.“
Wer wird nun in Abwesenheit von Sinner und Alcaraz das Turnier gewinnen? Seppi tippt auf Alexander Zverev, der bisher der konstanteste Spieler hinter den beiden Top-Favoriten war. „Er muss aber lernen, mit dem Druck umzugehen. Und man sollte auch Novak Djokovic nicht unterschätzen, der hier eigentlich nur zum Ausprobieren dabei war. Mit dem Ausscheiden von Sinner hat er nun eine realistische Chance.“
