Sina siegenthaler fliegt in montafon zum zweiten weltcup-sieg – schweizer doppelführung platzt
Sina Siegenthaler hat die Silberpiste in Montafon in ihren persönlichen Fan-Tribü verwandelt. Mit einem Startfeuer, das zwischen den Fichten knallte, raste die 25-jährige Schweizerin im Finale vor 4.000 Zuschauern an Charlotte Bankes und Josie Baff vorbei – und schwang sich damit zum zweiten Weltcup-Triumph ihrer Karriere.
Viertel der schweiz, herzstück des tages
Schon im Viertelfinale roch es nach Coup: Drei Schweizerinnen buchten das Ticket fürs Halbfinale, Luana Bianchi neben Siegenthaler ebenso wie Zoe Bergmann. Dass am Ende nur eine auf dem obersten Treppchen steht, war der Natur des Sports geschuldet – und an Siegenthalers unbändigem Willen, der sich in der Zielkurve entlud.
Die Zwischenzeiten lügen nicht, aber sie erzählen auch nicht die ganze Wahrheit. Nach Gate zwei lag Siegenthaler nur vier Hundertstel vor Bergmann, rutschte dann aber auf Rang vier ab – ein Minisprint, der im Fernsehen wie ein Tippfehler aussah. „Ich hab gedacht: Jetzt oder nie“, sagte sie später mit zitterndem Helm in der Hand. Was folgte, war ein Aufholjagd, die selbst die französische Kommentatorin zum Kreischen brachte: Außenlinie, Druck auf die Kante, zwei Gegnerinnen touchiert, nichts gerammt.

Kalle koblets frühes aus – dusek nutzt die lücke
Bei den Männern hingegen verpuffte der Schweizer Angriff bereits im Viertelfinale. Kalle Koblet, sonst so laufsicher in der englischen Startkurve, erwischte ein Brett zu spät, klappte in die Soft-Powder-Rinne und schied aus. Jakob Dusek dankte es ihm mit souveräner Vorstellung: Der Oberösterreicher ließ Leon Ubrecht und Aidan Chollet hinter sich stehen und feierte seinen zweiten Saisonerfolg.
Die Statistik dahinter: Seit fünf Jahren gewinnt kein Schweizer mehr am Männer-Worldcup im Snowboardcross. Dusek hingegen baut seine Mini-Serie aus – drei Podestplätze in den letzten vier Rennen.

Was das rennen für die gesamtwertung bedeutet
Siegenthaler springt mit dem Sieg auf Rang drei der Gesamtwertung und verkürzt den Rückstand auf Leaderin Bankes auf 62 Punkte. Noch wichtiger: Sie löst das PS-Problem. Denn wer in Montafon gewinnt, bekommt nicht nur Kristall, sondern auch Startrecht in jedem Training bis zur WM – ein Sechser im Lotto für Athleten, die sonst um Wildcards betteln müssen.
Bianchi holt als Sechste ebenfalls wichtige Punkte und bleibt in Reichweite der Top Ten. Die Schweizer Equipe reist mit zwei Frauen im Titelkampf nach Gudauri – das ist mehr, als manche Nation in der ganzen Saison zusammenbekommen.
Und die Moral von der Geschicht? Auf der Silberpiste zählt nicht, wer nach Gate zwei vorne liegt, sondern wer nach dem letzten Whoop den kürzeren Atem hat. Siegenthaler bewies: Sie hat beides – Lunge und Nerven.
