Simón zerlegt das 0:0 – und liefert spanien die bittere wahrheit
Kein Tor, kein Sieg, kein Grund zum Feiern – und trotzdem stand Unai Simón nach Abpfiff vor der Presse wie ein Mann, der eine Rechnung präsentiert. „Wir hätten gewinnen müssen, klar“, sagte der Keeper, „aber Fußball spielt nicht nach FIFA-Ranking, sondern nach Laufleistung und Lust.“
Cabo verde lässt spanien alt aussehen
Die Cabo-Verdianer bauten einen Betonblock, der sogar Pedri und Lamine Yamal aushebelte. „Wir hatten 70 Prozent Ballbesitz, aber die einzige echte Großchance fiel in der 78. Minute – und die war ein Abpraller“, erinnert sich Simón. „Ich musste mehrmals hinter meiner Viererkette aufräumen; sie haben uns mit jedem langen Ball in Verlegenheit gebracht.“
Der Atlético-Stratege Diego Simeone hatte angeblich vorab gewarnt, dass Afrikas Außenseiter „wie Atleti auf Ibiza“ verteidige. Das traf den Nagel auf den Kopf: Fünf Körper in der Box, Tempogegenstöße, Ruhe in den Zweikämpfen.

Die fehlende klinik – ein seltenes phänomen
„Spanien ohne Tor? Ich musste nachdenken, wann das zuletzt passierte. Ich glaube, das war im Juni 2023 gegen Schottland“, rechnet Simón vor. „Normalerweise schießen wir nach Standards, nach Umschaltmomenten, nach Balleroberungen – diesmal lief alles nur bis zur Strafraumkante. Dort stand plötzlich niemand mehr.“
Die Statistik liefert die Bestätigung: zwölf Schüsse aus dem Spiel heraus, nur zwei aufs Tor. „Wir haben die Lücke zwischen Mittelfeld und Sturm verpasst. Morata und Joselu haben sich nie gleichzeitig in Brand gesetzt.“

Nächster prüfstein saudi-arabien – mit erhobenem kopf?
Die Gruppe bleibt offen, doch der Druck steigt. „Wir können nicht jedes Spiel mit dem Anspruch angehen, dass wir nur gewinnen dürfen, und dann 0:0 spielen“, so Simón. „Aber es ist kein Weltuntergang. Der Cholo sagt immer: Spiel für Spiel. Nächste Woche in Riad drehen wir auf.“
Das klingt nach Kampfansage – und nach ehrlicher Selbstkritik. Denn wer Spanien kennt, weiß: Wenn Simón redet, hört die Kabine zu. Heute hat er ihnen das Lehrgeld auf die Brust gelegt. Ob sie es einlösen, entscheidet sich gegen Saudi-Arabien – und zwar ohne Wenn und Aber.
