Simeone trifft und singt: torino-stürger ehrt frau und festival-sieger

Giovanni Simeone schoss, dann wurde er zum Sänger. In der 83. Minute der Partie Torino – Lazio netzte der Argentinier zum 1:0 ein, sprintete zur Hauptkamera und streckte die Arme wie ein Tenor in vollendeter Pose. Was wie ein improvisierter Freudentanz wirkte, war ein perfekt einstudiertes Zitat: Er zitierte Sal Da Vinci, Gewinner von Sanremo 2026, samt dessen Siegergeste.

Die Szene dauerte drei Sekunden, reicht aber für eine Woche Social-Media-Futter. Simeone formte mit den Fingern ein imaginäres Mikro, bewegte die Hand in Wellen – exakt wie Da Vinci in der Finalnacht mit „Per sempre sì“. Millionen Fans erkannten den Verweis sofort, die Klippe aus dem Teatro Ariston lief parallel im Stadionjumbotron, die Kommentatoren brachen ab, das Netz explodierte.

Der deal mit seiner frau

Der deal mit seiner frau

„Wir haben das Festival zusammen geschaut“, verriet der Stürmer nach dem Spiel. „Als das Lied lief, sagte ich: ‚Wenn ich treffe, mache ich seine Geste.‘ Sie lachte, ich hab’s versprochen.“ Das Versprechen wurde ein Tor, ein Sieg und ein Seitenhieb auf all jene, die behaupten, Fußballer lebten in einer Parallelwelt ohne Kontakt zur italienischen Popkultur.

Die Aktion ist mehr als ein Gag. Sie spiegelt die neue Identität des FC Torino. Seitdem der Club aus Neapel Simeone auslieh, sucht er eine emotionale Heimat. Mit 13 Ligatore liegt er nur einen Treffer hinter seinem Bestwert aus der Saison 2022/23. Die Geste nach dem Tor war halb Ode an seine Ehefrau, halb Liebesbrief an die Granata-Fans, denen er sich mit beiden Händen ans Herz fasste.

Trainer D’Aversa lobte den Matchwinner als „Katalysator mit Kulturappetit“. Sportdirektor Vagnati indes weiß, dass jedes viral gefeierte Detail dem Club neue Sponsoren einbringen kann. Die Kurve sang nach Abpfiff tatsächlich schon die Zeile „Saremo io e te, da qui, sarà per sempre sì“ – diesmal nicht für einen Sänger, sondern für einen Torjäger, der ebenso gut auf der Bühne stehen könnte.

Die Lazio-Abwehr hatte Simeone zuvor 89 Minuten lang im Griff, doch eine einzige Unachtsamkeit reichte. Das 1:0 beschert Torino drei goldene Punkte im Kampf um die Europa-League-Plätze. Die Geste beschert der Serie A ein weiteres Kapitel in der endlosen Geschichte zwischen Sport und Unterhaltung. Nächstes Woche trifft Torino auf Milan. Falls Simeone wieder trifft, wartet bereits der nächste Deal: Diesmal mit seinem Sohn, der ihn bat, die Hand zum Herzzeichen zu formen – Stilecht für die Curva, nicht für Sanremo.