Simeone schluckt den derby-frust: „wir haben es versäumt, den sieg zu holen“

Die Luft im Wanda Metropolitano hing voller Rauch, die Stimme von Diego Simeone klang hingegen erstaunlich klar. Der Atlético-Coach trat nach der 1:2-Niederlage gegen Real Madrid vor die Mikros – keine Anklage, keine Schaumkrone, sondern nüchterne Selbstkritik. „Wir haben es nicht an Schiedsrichter Munuera Montero verloren“, sagte er, „wir haben es versäumt, den Sieg zu holen.“

Der vergebene elfmeter und die unausgenutzten chancen

Die Szene, über die Madrids Sportseiten bis tief in die Nacht debattieren: Marcos Llorente stolpert im Strafraum über Ferland Mendy, Munuera winkt ab. Kein VAR-Eingriff, kein Pfiff. Die Fans tobten, Simeone zuckte nur mit den Schultern. „Ich habe ihn noch nicht einmal auf der Leinwand gesehen“, gestand er. „Aber selbst wenn – wir hatten 70 Minuten, in denen wir das Spiel drehen konnten. Wir schossen nur dreimal aufs Tor.“

Die Zahlen sind gnadenlos: Atlético kam auf 0,9 xG, Real auf 2,1. Die Rot-Weißen gewannen nur 43 % der Zweikämpfe in der gegnerischen Hälfte, gegen Barcelona waren es noch 56 %. Die Taktik, das Mittelfeld früh zu stürmen, zerschellte an Luka Modrićs Kurzpassspiel. „Wir wollten die Räume eng machen, aber sie haben uns mit diagonalen Bällen auseinander gezogen“, analysierte Simeone. „Daran müssen wir arbeiten, nicht an Schiedsrichterentscheidungen.“

Lookman liefert – und bekommt liebesbriefe

Lookman liefert – und bekommt liebesbriefe

Während João Félix auf der Bank verstaubte, glänzte Ademola Lookman mit Sprintrekord: 33,2 km/h Spitzengeschwindigkeit, elf Balleroberungen, zwei Torschüsse. „Er kommt aus dem Wintertraining zwei Kilo leichter zurück“, verriet Simeone. „Und er fragt nach jedem Training, ob er Videos von David Villa und Sergio Agüero bekommen kann. So ein Hunger ist selten.“

Dennoch: Der Nigerianer verlor zweimal den Ball im Aufbauspiel, beide Male resultierte daraus ein Kontertor. „Wir helfen ihm, die Balance zwischen Risiko und Sicherheit zu finden“, so der Coach. „Herz allein reicht nicht in der Champions-League-Runde.“

Atléticos saison steht auf der kippe

Atléticos saison steht auf der kippe

Mit 45 Punkten nach 26 Spielen liegt Atlético bereits sieben Zähler hinter Real – so groß war der Rückstand zuletzt 2018. Die Auswärtsbilanz: nur zwei Siege in elf Partien. „Wenn wir nicht in die Top vier wollen, müssen wir in Valencia und Villarreal gewinnen“, sagte Simeone. „Sonst wird es eng mit der Champions-League-Quali.“

Am Mittwoch wartet Bayer Leverkusen im Achtelfinal-Rückspiel. Die 0:1-Pleite im Hinspiel nagt. „Wir brauchen ein Tor nach acht Minuten, dann wird das Stadion explodieren“, forderte Koke. Doch selbst wenn das gelingt: Atlético blieb in dieser Saison viermal in Folge ohne Sieg, wenn sie zuerst in Rückstand lagen. Die Statistik wirkt wie ein Spiegel der Mentalität: viel Kampf, wenig Durchschlag.

Simeone schloss mit einem Satz, der klingt wie ein Vorsatz für die restliche Saison: „Wir können jammern oder wir können rennen. Ich kenne nur die zweite Variante.“ Dann verschwand er in den Katakomben – und ließ die Frage zurück, ob seine Spieler diese Sprache noch verstehen.