Shai gilgeous-alexander zieht mit wilt chamberlain gleich: 126 mal 20 punkte am stück

Die Nacht war noch jung, als Shai Gilgeous-Alexander den Ball in der rechten Ecke fing, einen Schritt nach links ging und Denver mit einem Dreier in letzter Sekunde erstickte. 129:126, Oklahoma City gewinnt – und der Kanadier schreibt Geschichte. 35 Punkte bedeuten: 126 NBA-Spiele in Folge mit mindestens 20 Zählern. Damit egalisiert er den Mythos Wilt Chamberlain, der den Rekord zwischen 1961 und 1963 aufstellte.

Ein jahrhundert-score, der keiner war

Die Zahl klingt wie ein Relikt aus Schwarz-Weiß-Filmen, aber sie lebt. Chamberlans 126 galt seit 63 Jahren als unantastbar, als Monument aus Papier und vergilbten Spielberichten. Jetzt steht ein 25-Jähriger davor, die Marke schon am Freitag gegen Boston zu knacken. „Ich versuche, nicht drüber nachzudenken“, sagt Gilgeous-Alexander, „aber es ist verrückt, mit Wilt genannt zu werden.“

Ver-rückt trifft es gut. Die Liga hat sich gewandelt: Dreier statt Hook-Shot, Switch-Defense statt Man-to-Man, Pace statt Post. Dennoch: 20 Punkte Nacht für Nacht verlangen nach Gesundheit, Rhythmus und einer fast bösartigen Konstanz. „Die Leute ahnen nicht, wie schwer das ist“, sagt Nikola Jokic, der den Serben in ihm ehrt, was er selbst einst war: unberechenbar und doch verlässlich.

Triple-double verpasst, sieg eingetütet

Triple-double verpasst, sieg eingetütet

15 Assists, 9 Rebounds – ein Triple-Double wäre die Kirsche gewesen. Stattdessen blieb das Dessert aus, weil der Siegtreffer wichtiger war. Drei Sekunden auf der Uhr, Denver in der Zone, und SGA zieht einfach hoch. „Ich suchte mir Platz – und der Ball fiel rein.“ So klingt Kälte, wenn sie sich selbst erklärt.

Bei OKC fehlt derzeit Isaiah Hartenstein, deutscher Nationalspieler mit Handgelenksproblemen. Ohne ihn rotiert der Meister trotzdem, denn die Balance stimmt. Auf der anderen Seite schlängelte sich Dennis Schröder durch die Nacht: vier Punkte bei 115:101-Sieg der Cavs gegen Philadelphia. Kein Feuerwerk, aber ein Arbeitstag, wie er für den Kapitän der DBB reicht. Hauptdarsteller an der Great Lakes war James Harden – 21 Punkte und Eintritt in den 29.000er-Club. Nur acht Spieler waren ihm zuvor.

Die Tabelle? Oklahoma City führt die Westen, Boston wartet als nächster Prüfstein, und Gilgeous-Alexander jagt Rekord Nummer 127. Kein Ende in Sicht, nur ein weiteres Spiel – und die Gewissheit, dass manch Zahlenmauern nur so lange stehen, bis jemand mit 35 Punkten und einem letzten Dreier anklopft.