Sevilla feuert almeyda – die 0:2-pleite gegen valencia war nur der letzte funke

Matías Almeyda ist um 23:47 Uhr im Ramón Sánchez-Pizjuán vom Feld gegangen, als hätte er das Spiel noch einmal durchgepflügt. 90 Minuten zuvor war er Trainer, danach nur noch arbeitslos. Die 0:2-Niederlage gegen Valencia war kein einfacher Rückschlag, sondern der K.o. für einen Coach, der seit Wochen mit offenen Augen in den Abgrund blickte.

Der argentinische vulkan ist erloschen

Almeyda hatte das Sevilla-Feuer entfacht, als niemand mehr einen Funken sah. Er sprach, bis die Stimme brach, umarme Putzfrauen, sang mit Fans, schrie sich in Pressekonferenzen die Seele aus dem Leib. Doch seine Spieler hörten irgendwann nur noch Weißrauschen. 7 Punkte aus 11 Spielen – das ist kein Trend, das ist freier Fall. Die 0:3-Blamage gegen den Tabellenletzten Levante war das Tief, das 0:2 gegen Valencia nun das Ende.

Die Statistik ist gnadenlos: 49 Gegentore, Liga-Schlusslicht in puncto Defensive. Wer so oft kassiert, darf sich nicht wundern, wenn der Klub die Koffer packt. Aber die Zahlen erzählen nur die Hälfte. Wer die Spiele sah, erlebte ein Team, das sich selbst nicht mehr erkannte. Einmal presste Sevilla wie unter Almeydas Vorgänger Sampaoli, dann wieder wie unter Berizzo – nur ohne Plan. Die berühmte „Almeyda-Identität“ verflüchtigte sich mit jedem Gegentor.

Intern kochte es länger. Gabriel Suazo lief trotz Formtief unantastbar auf, während Oso – der vielleicht aufregendeste Jungspieler des Jahres – auf der Bank vermoderte. Batista Mendy, der einzige defensive Mittelfeldspieler neben Gudelj, wurde nach zwei guten Partien wieder eingemottet. Dafür durfte Alexis Sánchez bis zur Erschöpfung walten, obwohl seine Beine längst 37 Jahre zählen. Die Message an den Kader: Leistung zählt nicht, nur Sympathie.

Die rote Karte gegen Alavés – sieben Spiele Sperre, später auf fünf reduziert – war der Symbol-Moment. Almeyda sprang dem Schiri entgegen, als wolle er die Saison mit einem Kopfstoß retten. Die Südkurve feierte ihn dafür, aber die Spieler sahen einen Coach, der die Kontrolle verlor. Ohne ihn auf der Bank verloren sie die Orientierung, wie Kinder, deren Vater plötzlich abends nicht nach Hause kommt.

Nun sucht sevilla den neunten trainer in vier jahren

Nun sucht sevilla den neunten trainer in vier jahren

Die Suche läuft bereits. interne Kandidaten, externe Notlösungen, ein Interims-Coach, der die Restsaison retten soll. Die Aufgabe: neun Spielzeit, drei Punkte Vorsprung auf den Abstieg. Der Klub, der Europa dreimal in Folge dominierte, rutscht Richtung Zona de descenso wie ein Betrunkener auf einer Eisfläche. Wer auch immer kommt, er tritt nicht in Fußstapfen, sondern in Trümmern.

Almeyda verlässt Andalusien nicht als Versager, sondern als Opfer einer Struktur, die seit Jahren nach jedem Fehler ein neues Gesicht montiert. Er sprach von „Liebe“, „Kampf“ und „Herz“, doch das reicht nicht, wenn die Abwehr reiht wie ein Sieb. Sein Abschiedssatz klingt nach einem Selbstgespräch: „Wenn die Lösung ist, dass ich gehe, dann gehe ich.“ Er wusste, dass die Antwort längst beschlossen war.

Der argentinische Vulkan ist erloschen – und Sevilla schaut wieder in den Schacht. Der neunte Versuch beginnt, während der Abgrund näher rückt. Die Uhr tickt. Neun Spiele. Drei Punkte. Keine Helden mehr, nur noch reale Zahlen.