Sevilla erlebt leise machtdemonstration: castro, antoñito und das schweigen von del nido

Neun Bruderschaften ziehen am Gründonnerstag durch Sevilla, doch nur eine schickt den Klub in die zweite Reihe. José Castro, Vizepräsident von Sevilla FC, und Antoñito, Legende aus der Europa-League-Sieger-Ära, treten vor Sonnenaufgang in die Kirche San Ignacio de Loyola. Sie legen Rosen nieder, küssen das Kreuz – und halten die Tradition hoch, während der Verein selbst um Luft ringt.

Castro und antoñito: symbolik statt statements

Die Hermandad de San Pablo startet ihren Kreuzweg um 07:00 Uhr. Castro tritt in dunklem Anzug an, Antoñito im Frack, beide wissen: Kameras sind da, Mikrofone bleiben aus. Kein Wort zur Tabelle, kein Wort zur verkorksten Saison. Nur das leise Rascheln der Kapuzen und das Klirren der Ketten, die an Jesús Cautivo und Virgen del Rosario befestigt sind.

Der Klub steht drei Punkte über dem Strich, neun Spielte trennen ihn vom möglichen Abstieg. Die Fans fragen sich, wer die Verantwortung übernimmt. Antwort: niemand, der gerade reden will.

Morgen bricht del nido das schweigen – oder auch nicht

Morgen bricht del nido das schweigen – oder auch nicht

Am Dienstag übernimmt die Hermandad de San Benito den Staffelstab. Dann erscheint José María del Nido Carrasco, Präsident des Sevilla FC. Er wird Blumen niederlegen und danach – das verspricht wenigstens sein Umfeld – die Medien sprechen. Das letzte Mal tat er das im Dezember, nach der Mitgliederversammlung. Seitdem schwieg er, auch als Matías Almeyda flog und Luis García Plaza übernahm.

Die Agenda ist voll: Verkaufsprozesse, Trainerwechsel, sportliche Talfahrt. Doch in Sevilla zählt erst einmal die Prozession. Der Ball ruht, die Glocke schlägt, die Stadt atmet Weihrauch statt Panik.

Wenn die Trommeln verstummen, bleibt die Frage: Wer trägt die Kette am Ende der Saison – die Bruderschaft oder der Klub? Die Antwort kommt erst, wenn die letzte Kapelle den Guadalquivir überquert hat. Bis dahin genügt ein Nicken vor dem Altar.