Settebello schlägt ungarn und zieht mit erhobenem haupt nach sydney
Alexandroúpoli – sechs Tage, sechs Spiele, ein Ticket für Sydney. Das Settebello hat in Griechenland nicht nur Körper geprügelt, sondern auch Rechnungen beglichen. Mit dem 12:9 gegen Ungarn sichert sich Italien Rang zwei hinter Weltmeister Spanien und fliegt im Juli in die Final Eight der WorldLeague – müde, aber lautstark.
Nagy fliegt, italien dreht auf
Der Knackpunkt war keine Taktik, sondern eine Faust. Als Ungarns Ádám Nagy in der 16. Minute mit Rot wegen brutalem Foul vom Beckenrand schickt, nutzen die Azzurri die daraus resultierende Überzahl eiskalt. Binnen vier Minuten wird aus dem 5:5 ein 9:6, die Ungarn werfen sich zwar nochmal heran, doch die Lücke bleibt. Edoardo Iocchi Gratta trifft dreimal, Vincenzo Dolce zweimal – beide hatten gegen Spanien noch unter Radar gespielt.
„Wir haben heute mehr geschwommen als gespielt“, sagt Bundestrainer Sandro Campagna nach der Partie. „Aber genau das war nötig, um den körperlichen Rückstand aus dem Spanien-Spiel auszugleichen.“ Die Niederlage gegen die Iberer hatte gezeigt, wo die Reise hingehen muss; der Sieg gegen Ungarn beweist, dass sie bereits begonnen hat.

Die tabelle lügt nicht
Spanien bleibt mit sieben Punkten ungeschlagen, Italien folgt mit sechs Zählern. Griechenland und Ungarn begleiten das Quartett nach Sydney, wo vom 22. bis 26. Juli die Medaillen vergeben werden. Die restlichen Plätze füllt ein zweiter Quali-Block in Malta sowie Gastgeber Australien.
Campagna nimmt die Zahlen mit einem verschmitzten Lächeln zur Kenntnis: „Wir stehen zweimal auf dem Podest – einmal hier, einmal in Belgrad beim Europameisterschafts-Viertelfinale. Das ist kein Zufall, das ist ein Prozess.“ Dabei weiß der Coach, dass sein Kader noch Luft nach oben hat. Zu viele verschossene Strafwürfe (drei gegen Ungarn), zu wenig Druck in den Außenpositionen, zu oft zu spät reagiert bei Gegenstößen.

Sommer der kleinen schritte
Doch genau das macht den Plan aus. Statt großer Umwälzungen setzt Campagna auf Mikro-Verbesserungen: Schnellkraft im Bein, zweite Welle im Zentrum, bessere Abstimmung zwischen Del Lungo und der Abwehrkette. „Wir haben 100 Tage bis Sydney. 100 Tage, um aus Talent Konstanz zu machen“, so der Trainer.
Die Spieler jedenfalls fliegen mit breiter Brust nach Hause. Lorenzo Bruni postet aus der Kabine ein Foto mit blutunterlaufener Lippe und dem Kommentar: „Kampf, nicht Kasperletheater.“ Die Botschaft ist klar: Wer das Settebello unterschätzt, kassiert Prügel – und zählt anschließend die eigenen Tore.
Für Italien geht es nun ins Trainingslager in Ostia. Dort wartet kein Strandurlaub, sondern ein Programm, das selbst die Olympia-Helden von Rio vor Neid erblassen lässt. Denn Campagna hat eins klar gemacht: In Sydney zählt nur ein Platz – und der ist vorn.
