Sergio und javier torres ballern durch die wüste – und kochen dabei 500 paellas
Zwischen Stein, Sand und 45 Grad im Schatten jagen Sergio und Javier Torres mit ihren Orbea-E-Bikes durch die Skoda Titan Desert Morocco. Kein Wettbewerb, kein Zeitlimit – nur 75 Kilometer pure Hitzeschlacht, die sie mental resetten wie ein hartes Service in ihrem drei Sterne Tempel in Barcelona.
Die Zwillinge haben nichts zu beweisen. Sie haben schon alles bewiesen. Deshalb sind sie hier: um abzustellen, nicht um anzukommen.
Die wüste als geschlossene küche
Während andere um Sekunden kämpfen, nutzen die Brüder die E-Bike-Kategorie als Off-Button. „Wir kommen, um den Kopf leer zu kriegen, nicht um Podest“, sagt Sergio, noch staubig von der zweiten Etappe. Die GPS-Route ist ihr einziges Rezept, der Akku ihr Sous-Vide-Gerät. Jeder Kilometer ein Gedankenstrich, jede Düne ein Stressabbau.
Seit fünf Jahren fahren sie mit, aber nie gegen. Die elektrische Unterstützung ist kein Schummeln, sondern ein verlängertes Zündholz: Sie erlaubt es ihnen, mitten in der Saison drei neue Restaurants in Barcelona hochzuziehen, ohne körperlich zu kollabieren. „Wenn wir Titan mit Muskeln fahren wollten, müssten wir das Jahr über 20 Stunden pro Woche trainieren. Dafür haben wir keine Zeit – wir haben Gäste“, lacht Javier.

50 Kilometer arbeitsweg als basis-training
Die Fitness kommt nebenbei. Jeden Morgen radeln die Brüder von Collserola ins Restaurant – 50 bis 80 Kilometer Umweg inbegriffen. Kein strukturierter Plan, nur pure Integration. „Das ist unser Pendeln, unsere Meditation und unser Bein-Tag in einem“, sagt Sergio. Die Küche beginnt erst, wenn die Herzfrequenz wieder unter 100 fällt.
Letzten Winter schalteten sie den Motor aus und stiegen auf Muskelräder um. 60 Kilometer mit 1.200 Höhenmeter, um der Monotonie zu entkommen. „Am Anfang war’s brutal, weil wir die Lunge vergessen hatten“, gibt Javier zu. Doch der Alltag holte sie zurück: Neueröffnungen, Menü-Changes, Sterne-Prüfungen. Die Titan in purer Form verschob sich auf 2025 – vielleicht.

500 Portionen gegen die wüste
Rasten kann keiner, wenn Hunger herrscht. Also schmissen die Torres in Merzouga eine Paella-Gala für 500 verschwitzte Fahrer. Neben ihnen standen Paco Roncero (2 Sterne) und Lluc Crusellas (bester Chocolatier der Welt), die ebenfalls zwischen Dünen und Dampfgarer wechseln. „Wir haben uns gegenseitig als Pinches eingespannt – der einzige Ort, wo ein Sternekoch Koriander schneiden darf, ohne dass der Restaurantleiter schreit“, scherzt Javier.
Die Pfannen waren so groß wie Kinderpools, das Feuer aus Holz, das man vorher aus dem Nirgendwo sammeln musste. Während draußen 42 Grad herrschten, zog der Safran-Dampf durch die Kasbah. Kein Foto-Op, echte Versorgung. „Wer hier isst, schafft die nächste Etappe – das ist unser Beitrag zum Sport“, sagt Sergio.

E-bike-klasse: sie fordern struktur statt chaos
Nach fünf Starts kennen sie jede Sandfalle – und die technische Wildwest-Lage der E-Bikes. „Die Leistungsunterschiede sind gewaltig. Mal 50 Nm, mal 90 Nm Drehmoment. Das ist, als würde jemand mit Gasgrill gegen Holzkohle antreten“, beschwert sich Javier. Ihre Forderung: drei Klassen (Pro, Mittel, Basic), einheitliche Route, klares Klassement. „Sonst bleibt das ein netter Ritt, aber kein Rennen.“
Sergio geht weiter: „Gibt es eine Wertung, muss auch die Strecke identisch sein. Gleiche Kilometer, gleiche Dünen, gleiche Leidenschaft.“ Dass sie selbst nie auf dem Podest stehen werden, stört sie nicht. Hauptsache, das Feld wird fair – und die Wüste behält ihren Geschmack.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, die kein Marketing-Team der Welt besser formulieren könnte: „Wir sind Köche, keine Radprofis. Wir holen uns hier das Salz, das uns in Barcelona fehlt – und das ist keine Metapher, sondern echter Wüstenstaub auf der Zunge.“ Die Titan ist ihre Saisonzutat. Und die nächste Portion folgt, sobald die neuen Restaurants stehen. Dann vielleicht ohne Motor. Oder mit noch mehr – wer weiß schon, wie viel Power drei Sterne brauchen.
