Serbien ruft verbannte brüder zurück – spaniens nächster gegner zockt mit offener rechnung
Ein Schlag ins Kontor kommt früher als gedacht. Während Luis de la Fuente noch die EM-Trophäe poliert, wartet schon der erste Stolperstein auf dem Weg zur WM 2026: Serbien. Und mit ihm zwei Brüder, die Spanien eigentlich nie verlassen wollten.
Sergej und Vanja Milinković-Savić stehen nach zwei Jahren Funkstille wieder im Kader – geboren in Lleida und Ourense, aufgewachsen mit dem Traum vom Roter-Hemd-Dasein, jetzt bereit, das Land ihrer Kindheit aus dem Turnier zu kicken. Die Ironie: Die RFEF schaute damals weg, Serbien zog die Schnüre straff. Heute sind sie die Geheimwaffe von Veljko Paunović, der kurz vor WM-Start das Ruder übernahm, nachdem Dragan Stojković nach einer 0:1-Pleite gegen Albanien den Hut nahm.

Der bann ist gebrochen – aber die narben bleiben
Stojković hatte Sergej öffentlich verabschiedet: „Solange ich hier sitze, gibt keinen Rückzieher. Fünf Gespräche reichen.“ Der Mittelfeld-Strateg von Al-Hilal galt als unmotiviert, zu frei in der Interpretation der Spielidee. Sein Bruder Vanja landete nach einer Kneipen-Schlägerei in München auf der Abschussliste. Beide sahen zu, wie Serbien gegen England, Italien-Flüchtlinge und Co. sang- und klanglos auf Platz drei der Quali landete – ohne Repeschein, ohne Perspektive.
Jetzt das Comeback in der Wiege ihrer Geburt. Paunović muss keine Moralpredigt halten, er braucht Punkte. Die Rechnung: Spanien vor heimischem Publikum ärgern, die Gruppenphase offen halten. Die Druckkammer ist garantiert – und der spanische Verband muss erklären, warum zwei Spieler, die einst LaLiga rockten, heute in gegnerischen Trikots die Umkleide betreten.
Die Zahlen sprechen für die Brüder: Sergej liefert in Saudi-Arabien 15 Vorlagen in 26 Spielen, Vanja hält bei Napoli die Null gegen Real Madrid. Das Duo trägt die Erfahrung von knapp 100 Länderspielen in den Knochen – genug, um jungen Spaniern die Schuhe zu zementieren. Dazu Paunović, der in Villarreal, Getafe und Mallorca gelernt hat, wie man den Tiki-Taka den Stecker zieht.
Für De la Fuente ist das keine Routine-Partie. Es ist die erste echte Bewährungsprobe nach dem EM-Triumph, ein Vorgeschmack auf die gefühlte Ewigkeit bis 2026. Verliert er, steht sofort die Debatte: War der Titel nur ein Sommermärchen? Gewinnt er, bewahrt er sich die Aura des Unbesiegbaren – und schickt zwei spanische Söhne nach Hause, ohne dass sie je für Spanien spielten.
Kick-off Juni 2025. Die Brüder warten auf ihren Schoß aus Pfiffen. Die Spanier auf den Beweis, dass der Spirit von Berlin überdauert. Eines ist klar: Wer auch als Sieger den Platz verlässt, die Geschichte dieses Duells ist schon jetzt geschrieben – mit spanischem Stempel und serbischem Stolz.
