Senegal zieht vor den cas: afrika-cup-titel wird zum poker um prestige

Die Trophäe steht auf dem Spiel, der Stolz einer ganzen Nation auch. Nach der spektakulären Aberkennung des Afrika-Cup-Sieges hat der senegalesische Fußballverband (FSF) beim Internationalen Sportgerichtshof CAS Berufung eingelegt – und damit die nächste Runde im Machtkampf um den Titel des Jahres 2025 eröffnet.

Der CAS bestätigte am Mittwoch den Eingang der Klage gegen den Afrikanischen Fußballverband CAF und den königlichen marokkanischen Verband FRMF. Der Streit kreist um das Finale vom 18. Januar in Rabat, das kurz vor dem Kollaps stand. Nach einem umstrittenen Elfmeterpfiff für Marokko hatten Senegals Profis den Platz demonstrativ verlassen. Die Partie wurde unterbrochen, später fortgesetzt – und in der Verlängerung traf Pape Gueye zum vermeintlichen 1:0-Sieg für Senegal.

Warum der titel plötzlich rotiert

Die CAF wertete den Protest der Senegalesen als Verstoß gegen die Wettbewerbsartikel 82 und 84, annullierte das Ergebnis und sprach den Titel nachträglich Marokko zu. Ein Einspruch der marokkanischen Seite hatte Erfolg. Für Senegal ein „Witz des Jahrhunderts“, wie Teamchef Aliou Cissé donnernd kommentierte.

Die Logik der CAF: Wer den Platz verläst, verliert automatisch. Die Logik des FSF: Ein fragwürdiger Elfmeter entschuldigt zivilen Ungehorsam. Die Logik des CAS: Erst einmal schauen, wer Recht hat.

Matthieu Reeb, Generaldirektor des CAS, verspricht ein „sorgfältiges, aber zügiges Verfahren“. Die Entscheidung könnte noch vor der Qualifikation für den Afrika-Cup 2027 fallen – und damit die Gruppenauslosung durcheinanderwirbeln, falls sich die Rangpunkte ändern.

Die kasse klingelt mit

Die kasse klingelt mit

Hintenrum geht es um mehr als Prestige. Der Siegerbonus für den Afrika-Cup: fünf Millionen Dollar aus dem CAF-Kulturtopf. Dazu kommen Sponsoringverträge, die sich am Titel orientieren, und TV-Prämien, die sich in Dakar und Casablanca bereits in Luft auflösten oder neu entstanden.

Die Spieler selbst halten sich bedeckt. Kapitän Kalidou Koulibaly twitterte lediglich ein Bild der Trophäe mit dem Kommentar „Noch ist sie nicht weg.“ Dahinter steckt mehr als Symbolik – es ist eine Kampfansage.

Die nächste Anhörung ist für Juni terminiert. Sollte der CAS die CAF-Entscheidung bestätigen, wäre Marokko offiziell Erster, Senegal Zweiter – und die Geschichtsbücher müssten neu bedruckt. Sollte der CAS die Berufung stützen, bricht in Dakar vermutlich ein Jubel aus, der das nächste Erdbeben der Region verdeckt.

Fakt ist: Solange das Urteil offen ist, trägt kein Land den Pokal mit ruhiger Hand. Und solange die Trophäe schwebt, bleibt der Afrika-Cup 2025 das Turnier, das nie so richtig zuende ging.