Schwimmkurs-unsicherheit: experten warnen vor verpassten chancen
Die Vorfreude auf den Sommerurlaub und das ersehnte Bad im Freibad trübt sich für viele Eltern: Eine neue Umfrage zeigt, dass die Unsicherheit beim Schwimmunterricht für Kinder groß ist. Während einige auf einen Platz in einem Kurs warten, verpassen andere wertvolle Gelegenheiten, ihre Kinder frühzeitig an das Wasser zu gewöhnen – ein Fehler, wie Expertin Anja Kerkow betont.
Angstfreie wassergewöhnung als schlüssel zum erfolg
Die Schwimmlehrerin Anja Kerkow, Inhaberin der Schwimmschule „Rochenkinder“ in Fredersdorf-Vogelsdorf, setzt auf eine kindgerechte Herangehensweise. „Es geht nicht darum, Kindern direkt das Schwimmen beizubringen“, erklärt sie im rbb|24-Interview. „Vielmehr müssen sie sich mit dem Wasser vertraut machen, es lieben lernen und ein Gefühl der Sicherheit entwickeln.“
Kerkow plädiert dafür, dass Eltern aktiv werden und ihre Kinder schon zu Hause an das Wasser gewöhnen. „Die Badewanne, das Planschbecken oder die Dusche bieten ideale Möglichkeiten, um spielerisch erste Erfahrungen zu sammeln. Dabei sollte der Spaß im Vordergrund stehen und Druck vermieden werden.“
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vertrauensperson. „Kinder fühlen sich sicherer, wenn sie im Wasser von ihren Eltern begleitet werden. Das kann ein entscheidender Faktor sein, damit sie überhaupt erst den Mut finden, sich ins Wasser zu trauen.“
Die Expertin rät von Auftriebshilfen wie Schwimmflügel ab. „Diese geben einem falschen Sicherheitsgefühl und verhindern, dass Kinder ihre eigenen Grenzen einschätzen lernen.“ Stattdessen empfiehlt sie eine lückenlose Aufsicht durch eine verantwortungsbewusste Person.

Vom paddeln zum sicheren schwimmen: die richtige technik
„Viele Eltern denken, sie müssten ihren Kindern direkt Schwimmbewegungen beibringen“, so Kerkow. „Falsch! Die Grundlage für sicheres Schwimmen ist die Wassergewöhnung und die Beherrschung der Atmung.“
Sie empfiehlt, mit dem Paddeln zu beginnen, einer natürlichen Schwimmbewegung, die Kindern leicht fällt. „Die Amerikaner, Kanadier und Australier fangen ja auch nicht mit Brust an, sondern mit Kraul- oder Rückenkraulschwimmen – und das mit Erfolg.“
Kerkow mahnt zur Geduld. „Es braucht Zeit, bis Kinder sich sicher im Wasser fühlen und die Grundlagen des Schwimmens beherrschen. Aber mit der richtigen Herangehensweise und viel Spaß wird es gelingen.“
Die Unsicherheit vieler Eltern zeigt jedoch, dass es noch viel Aufklärungsarbeit zu tun gibt. Denn wer die Schwimmfähigkeit seiner Kinder vernachlässigt, riskiert mehr als nur einen verpassten Spaß im Freibad.
