Schwimmkurs-boom: warum erwachsene jetzt ins wasser wollen
Die Berliner Schwimmbäder boomen – und nicht nur wegen der Kinder. Immer mehr Erwachsene melden sich für Schwimmkurse an, manche Anfänger, andere wollen ihre Technik perfektionieren. Gunnar Ibrmayer-Splitgerber, Koordinator der Schwimmkurse bei den Berliner Bäder-Betrieben, erklärt, was dahinter steckt und warum er mit dem Rückenschwimmen beginnen würde.
Die nachfrage steigt stetig
Die Nachfrage nach Schwimmkursen für Erwachsene ist enorm, so Ibrmayer-Splitgerber. „Wir könnten noch viel mehr Kurse anbieten – den Bedarf decken wir bei weitem nicht“, erklärt er. Ob Anfängerkurse, Techniktraining oder Spezialkurse für Triathleten – alles ist schnell ausgebucht. Die Triathleten stellen dabei eine wichtige Zielgruppe dar, kämpfen sie doch oft mit dem Schwimmteil ihrer Disziplin. Doch es gibt noch weitere Gründe für das wachsende Interesse.

Mehr als nur kraulen: gesundheit und ängste
Viele möchten einfach entspannt längere Strecken im Wasser zurücklegen, andere aus gesundheitlichen Gründen Kraulen lernen, da Brustschwimmen den Nacken belasten kann. Aber es gibt auch eine große Gruppe von erwachsenen Nichtschwimmern, die es endlich schaffen wollen, sich im Wasser sicher zu fühlen. Die Geschichten sind vielfältig: Einige haben im Schulalter das Schwimmen nie gelernt, andere bringen traumatische Erfahrungen mit sich, wie beispielsweise einen Sturz ins Wasser oder belastende Erlebnisse bei der Flucht.

Der spielerische weg ans wasser
„Wichtig ist, wo das Problem genau liegt“, betont Ibrmayer-Splitgerber. „Danach geht es darum, den Teilnehmern spielerisch beizubringen, dass es funktioniert.“ Er setzt auf einen schrittweisen Ansatz und unterstützt seine Schüler, wo immer möglich, sogar persönlich im Wasser. Die Gruppenarbeit spielt dabei eine wichtige Rolle, da sie eine eigene Dynamik entfaltet.

Die deutsche besonderheit: das seepferdchen
Ein interessantes Detail: In Deutschland lernen Kinder oft zuerst Brustschwimmen, um schnell das „Seepferdchen“ zu erlangen. Ibrmayer-Splitgerber hält das für eine speziell deutsche Angewohnheit, die auf der Erwartungshaltung der Eltern beruht. Er plädiert stattdessen für den Start mit Rückenschwimmen, da es intuitiver ist und die Atemtechnik weniger problematisch macht. „Ich bin ein Verfechter der Zweier-Atmung“, erklärt er, „bei der man nach jedem zweiten Armzug atmet.“
Ein blick in die zukunft: schwimmen lernen ist ein lebensqualität
Die steigende Nachfrage nach Schwimmkursen zeigt deutlich, dass viele Menschen das Schwimmen als eine wichtige Lebensqualität erachten. Gunnar Ibrmayer-Splitgerber und sein Team leisten hierbei einen wertvollen Beitrag, indem sie Menschen jeden Alters und mit unterschiedlichen Hintergründen den Zugang zum Wasser ermöglichen. Die Angst vor dem Wasser zu überwinden und die Freude am Schwimmen zu entdecken – das ist es, was zählt.
