Schweizer ski-damen in der krise: olympia-debakel und scharfe kritik

Olympia 2026: schweizer speed-damen weit entfernt von der spitze

Während die Schweizer Herren, angeführt vom dreifachen Olympiasieger Franjo von Allmen, bei Olympia 2026 glänzen, erleben die Speed-Läuferinnen ein enttäuschendes Turnier. In der Abfahrt belegte Corinne Suter als Beste nur den 14. Platz, im Super-G erreichte Malorie Blanc Rang zehn. Die Zeitrückstände zur Spitze sind beträchtlich und werden in Schweizer Medien als "beschämend" kritisiert. Verantwortliche sprechen nun Klartext.

„Es ist nicht das, was wir erhofft haben“

„Es ist nicht das, was wir erhofft haben“

"Es ist nicht das, was wir erhofft haben", gab Beat Tschuor, der Schweizer Frauen-Cheftrainer, zu. Die schwachen Ergebnisse kommen jedoch nicht überraschend. Außer dem Überraschungssieg von Blanc im Super-G von Crans-Montana gab es in dieser Weltcupsaison keinen weiteren Podestplatz für die Speed-Frauen. Nach dem olympischen Super-G betonte Walter Reusser, Co-CEO des Schweizer Skiverbandes: "Die Zeitmessung läuft hier nicht langsamer, nur weil wir es wollen. Wir haben es in Super-G und Abfahrt nicht hinbekommen, das ist sehr enttäuschend.".

Verletzungspech und fehlende konstanz

Verletzungspech und fehlende konstanz

Die Abwesenheit der verletzten Stars Lara Gut-Behrami (34) und Michelle Gisin (32) wiegt schwer. Zudem hatten Suter (31) nach einem Fußbruch und Jasmine Flury (32) nach einem Knorpelschaden im Knie eine schwierige Vorbereitung. Reusser warnte: "Wenn sich zwei oder drei Top-Läuferinnen verletzen, sind wir in der Scheiße." Dennoch will er das Verletzungspech nicht als alleinige Ausrede gelten lassen. "Wir haben talentierte Läuferinnen, aber sie haben nicht die Leistung gebracht, die wir uns erhofft haben.".

Das problem im mittelbau

Blanc (22) sammelte auf der anspruchsvollen Tofana Lehrgeld, während Delia Durrer (23) und Janine Schmitt (25) stagnieren. Das Kernproblem liegt tiefer: Im Schweizer Speed-Team fehlt es am Mittelbau, es klafft eine große Lücke im Altersegment zwischen 25 und 30 Jahren. "Wir können sie nicht aus dem Hut zaubern", sagte Reusser und kritisierte die Ausbildung der Fahrerinnen: "Die Lücke entstand nicht heute oder im letzten Sommer, sondern früher. Man hat viele kaputtgemacht, sie verheizt. Jetzt bluten wir dafür.".

Zu frühe belastung im weltcup

Konkret kritisiert Reusser, dass viele Schweizer Nachwuchsläuferinnen zu früh in den Weltcup geworfen wurden, obwohl sie körperlich und mental noch nicht bereit waren. "Es fehlte ein sauberer Karriereplan. Diese Fehler dürfen sich nicht wiederholen", so Reusser. Eine systematische Entwicklung der Talente sei unerlässlich, um langfristig wieder erfolgreich zu sein.

Hoffnung in den technischen disziplinen

Cheftrainer Tschuor mahnt zu Geduld, auch bei der hochtalentierten Blanc, die im Speed der etwa gleichaltrigen Deutschen Emma Aicher nacheifert. "Was bringt es, wenn wir ihr Druck ohne Ende machen, sie damit nicht umgehen kann und im Netz landet?" Deutlich besser sieht es in den technischen Disziplinen aus: Camille Rast (25) gehört in Riesenslalom und Slalom zu den Favoritinnen. Auch Wendy Holdener (32), die im Kombi-Slalom überzeugte, kann eine Medaille gewinnen.

Ausblick und notwendige veränderungen

Der Schweizer Skiverband steht vor großen Herausforderungen. Eine umfassende Analyse der Fehler in der Nachwuchsförderung und eine langfristige Strategie zur Stärkung des Mittelbaus sind dringend erforderlich, um die Schweizer Speed-Damen wieder an die Spitze des Weltcups zurückzuführen. Nur so kann die Kontinuität des Erfolgs sichergestellt werden.