Schultern weg vom stress: drei yoga-tricks für zwischendurch

Ein Anruf, drei E-Mails, ein Termin – und schon sitzt der Stress wieder zwischen den Schulterblättern. Laura Congestri zeigt, wie man ihn in drei Minuten abschüttelt, ohne vom Schreibtisch aufzustehen.

Der feind sitzt neben dem nacken

Die Yogalehrerin aus Rom hat die Statistik nicht studiert, sie spürt sie. „Jeder zweite kommt mit Schultern wie Beton“, sagt sie im Gespräch. „Die Leute tragen ihre ganze Woche im Oberrücken – plus Laptop, Wasserkiste, Weltuntergang.“ Ihr Studio Laya liegt zwei Straßenzüge vom Campidoglio entfernt, genug, um zu wissen, was Politiker, Anwälte und Pizzakuriere gemeinsam haben: Sie vergessen, dass der Körper kein Rucksack ist.

Congestri lehrt Navakaraṇa Vinyāsa, eine Flow-Form, die bei indischen Wrestlern entstand und sich in römischen Büros bewährt. „Wir dehnen nicht nur Muskeln, wir schneiden das emotionale Gewicht ab“, erklärt sie. Denn die Schulterpartie funktioniert wie ein Aktenordner: Je länger man sie zuklappt, desto dicker werden die Rechnungen darin.

Drei positionen, kein gong

Drei positionen, kein gong

Die erste Übung nennt sich Gomukhasana-Variante: Arme hinter dem Rücken verschränken, eine Hand von oben, eine von unten, Finger fassen – oder eben nicht. „Kein Drama“, sagt Congestri. „Reicht schon, wenn die Ellenbogen sich küssen.“ Zehn Atemzüge, dann wechseln. Die zweite Bewegung kommt aus dem Büroalltag: Ellbogen am Kopf zusammenführen, Oberarme wie einen Kranz nach oben rollen. Die dritte ist ein einfacher Vorwärtsbeuge, stehend, Knie leicht gebeugt, Kopf baumeln lassen. „Die Halswirbel kriegen sofort Post vom Herzen: alles locker“, verspricht die Italienerin.

Zeitbedarf: unter 180 Sekunden. Effekt: laut Congestri bis zu 40 % weniger Verspannung, gemessen an der subjektiven Nacken-Stiftung-Skala ihrer Schüler. „Die Leute glauben, sie bräuchten einen Wellnessurlaub. Tatsächlich brauchen sie drei Atemzüfe am Schreibtisch.“

Der preis der untätigkeit

Der preis der untätigkeit

Wer die Mini-Sequenz auslässt, zahlt später mit Zinsen. Physiotherapeuten sprechen vom „Upper-Crossed-Syndrom“, eine Kette aus verkürzter Brustmuskulatur und überdehnten Nackenmuskeln. Resultat: Kopfschmerzen, Schlafmangel, schlechte Laune. „Und wir wundern uns, warum die Produktivität sinkt“, sagt Congestri. Ihr Fazit ist einfach: „Der Körper vergisst nichts, er schreibt nur klein.“

Also lieber jetzt die Finger hinter dem Rücken verschränken als morgen den Physiotherapeuten. Oder wie Congestri es formuliert: „Wer seine Schultern nicht bewegt, bewegt bald seine Terminkalender – zum Orthopäden.“