Flames zünden den turbo: bensheim wirft thüringer hc raus und träumt vom ersten pokal

Stuttgart – 3000 Kehlen schreien sich heiser, ein Ball fliegt 14 Mal ins leere weiße Dreieck, und am Ende steht Lucie-Marie Kretzschmar mit ausgebreiteten Armen da wie ihr Vater einst nach Siebenmetern gegen die Schweden. Die HSG Bensheim/Auerbach hat beim Haushahn Final4 den Thüringer HC mit 36:34 nach Siebenmeterwerfen aus dem Porsche-Arena gekickt und zieht ins Endspiel um den DHB-Pokal ein. Erster Finalist, erster Paukenschlag.

Die flames brennen, aber die reichert erlahmt

Johanna Reichert kam mit 9,2 Treffern Schnitt als lebende Handball-Kanone nach Stuttgart. Sie verlässt sie mit sechs Treffern aus 14 Versuchen – und mit Tränen. Denn auf der Gegenseite erwischte Nina Engel zwar auch nur 8 von 15, aber ihr letzter Wurf war der 31:31-Ausgleich sieben Sekunden vor Schluss. Reichert durfte im Anschluss nur noch zuschauen, wie ihre Kollegin Csenge Kuczora den entscheidenden Siebenmeter an die Latte knallte.

Die Partie war ein Lehrbuch für Zitterpartien. Bensheim startete mit einer 5-1-Abwehr, in der Kretzschmar und die Routinierin Meike Schmelzer den Kreis dichtmachten wie ein Tresor. Thüringen fand erst in der 18. Minute ein Loch, nutzte die Phase, um mit 16:14 in die Kabine zu gehen. Doch das war nur die halbe Wahrheit.

Kretzschmar junior schreibt familiengeschichte neu

Kretzschmar junior schreibt familiengeschichte neu

In Hälfte zwei verwandelte sich Lucie-Marie Kretzschmar vom Organisator zur Antreiberin. Zweites Tor zum 24:21, anschließend das Rudern mit den Armen, das die 400 mitgereisten Bensheimer in einen Trommelwahn versetzte. „Wir wollten endlich einen Vereinstitel“, sagte sie nach Abpfiff. „Papa hat 2007 den EM-Titel geholt, ich will jetzt den Pokal.“

Der Thüringer HC klebte trotzdem wie Kaugummi an den Schuhen. 26:26 in der 51. Minute, 28:28 vier Minuten vor dem Ende. Wer bessere Nerven hatte, war offen. Am Ende hatte Bensheim sie – und den besseren Torhüter. Mareike Jiranek parierte zwei Siebenmeter, wurde zur unumstrittenen Heldin.

Den zweiten Finalplatz kämpfen ab 19 Uhr Borussia Dortmund und die HSG Blomberg-Lippe aus. Für Bensheim heißt es bis dahin: regenerieren, träumen, vielleicht doch den ersten Pokal holen. Die Flames haben Feuer gefangen – und Stuttgart spürt die Hitze.