Schrader schreibt paralympics-geschichte: 4 tore in overtime beenden 20-jahre-fluch

Endlich. Nach 7325 Tagen ohne Sieg hat Deutschlands Sledge-Crew die Marke gesprengt. Felix Schrader schoss seine Mannschaft mit einem Viererpack im Overtime-Krimi gegen die Slowakei auf Platz fünf – und sich selbst in die Geschichtsbücher.

Das spiel, das alles veränderte

Die erste Periode war ein Blitz. 2:0 nach neun Minuten, Schrader mit Doppelschlag. Die Slowaken brauchten einen abgefälschten Fernschuss und zwei deutsche Blackouts, um zurückzukommen. Was folgte, war kein Hockeyspiel mehr, sondern ein Kraftraum: 15 Minuten ohne deutschen Torschuss, vier Minuten Powerplay-Gejammer, ein Torhüter, der kurz vor dem Kollektiv-Kollaps wirkte.

Doch Schrader hatte offensichtlich keinen Bock auf Statistikquälerei. Sein 3:3 aus spitzem Winkel war ein Schuss, der eigentlich nicht gehen wollte – und genau deshalb ging er. Die Overtime wurde zur Schrader-Show: Solo über halb Eis, Zug zum Tor, Backhand unter die Latte, 52. Minute. 4:3. Endlich.

Was der sieg wirklich bringt

Was der sieg wirklich bringt

Deutschland spielt nun um Rang fünf, das intern vorgegebte Minimumziel. Doch der Ertrag ist größer: Nach der 0:11-Demontage gegen China und der 1:2-Pleite gegen Italien hatte die Mannschaft plötzlich wieder Gesichter. Torhüter Veit Mühlhans sprach von „Befreiung“, Bundestrainer Peter Willman vom „psychologischen Neustart“. Die vier Altinternationalen – Stumpe, Lahrsen, Hartmann, Ralf Rabe – feierten ihr erste WM- oder Olympia-Sieg seit 2006.

Die Zahlen sind verrückt: Schrader traf in 44 Minuten öfter als die gesamte deutsche Mannschaft in den letzten drei Turnieren zusammen. Sein Viererpack ist die erste Einzelleistung dieser Größenordnung seit Einführung der Paralympics 1994. Die 20 Jahre Wartezeit? Vergessen. Die Slowakei? Abgehakt. Die Medaille? Weg, aber egal.

Am Freitag geht es gegen Norwegen um Platz fünf. Kein Finale, aber ein Endspiel: Schlägt Deutschland, ist das Team automatisch für die Paralympics 2030 qualifiziert. Verliert es, droht die Quali-Tortour durch die Weltmeisterschaften. Die Botschaft von Milan-Cortina lautet: Wer vier Tore in einer Overtime schießt, darf auch mal vier Jahre vorausplanen.