Schock von 1966: wie deutschland aus der krise lernte – oder doch nicht?

Es war eine Demütigung, die das deutsche Fußballherz lange nicht vergessen hat: Die WM 1966 in England. Die Auslosung der Gruppenphase hatte uns in eine vermeintlich leichte Gruppe geführt, doch dann kam die Sensation – eine 0:1-Niederlage gegen Nordkorea. Ein Spiel, das nicht nur eine sportliche Blamage bedeutete, sondern auch eine tiefe Krise im deutschen Fußball offenbarte.

Die reaktion: eine mauer gegen die welt

Die reaktion: eine mauer gegen die welt

Die Enttäuschung war riesig. Die Verantwortlichen bei der DFB suchten nach Gründen und fanden sie – in den Augen vieler – in der zu großen Anzahl ausländischer Spieler in der Bundesliga. Die Lösung, die man sich ausdachte, war radikal: Eine Autarkie-Politik. Ab der Saison 1966/67 durften keine ausländischen Spieler mehr in der Bundesliga eingesetzt werden. Eine Revolution, die darauf abzielte, den deutschen Nachwuchs zu fördern und das eigene Talent zu entwickeln.

Doch hat diese drastische Maßnahme wirklich zum Erfolg geführt? Die Geschichte zeigt, dass es selten einfach ist, die Vergangenheit zu wiederholen. Betrachtet man die damalige Situation im Lichte der heutigen globalisierten Fußballwelt, stellt sich die Frage: War die Abschottung wirklich der richtige Weg?

Was oft übersehen wird, ist das Profil des nordkoreanischen Spielers, der den Siegtreffer erzielte: Pak Doo Ik. Ursprünglich als Zahnarzt ausgebildet, war er in Wirklichkeit ein Turner im Militär. Eine kuriose Geschichte, die die Absurdität der Situation unterstreicht. Die deutsche Mannschaft, gefangen in ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit, hatte die unterschätzte Qualität des Gegners ignoriert.

Die DFB-Führung, getrieben von Panik und dem Wunsch nach schnellem Erfolg, verfiel in einen simplen Denkfehler. Anstatt die Schwächen im eigenen Spiel anzugehen, suchte man einen Sündenbock – die Ausländer. Ein fataler Irrtum, der letztendlich nicht zum erhofften Ergebnis führte. Denn Fußball ist ein globales Spiel, und die besten Spieler kommen nicht immer aus dem eigenen Land. Die Vorstellung, man könne durch Abschottung zu sportlichem Erfolg gelangen, ist eine Illusion.

Die Lehre aus dem Jahr 1966 ist klar: Offenheit und Internationalität sind die Schlüssel zum Erfolg im modernen Fußball. Die deutsche Mannschaft muss sich dem internationalen Wettbewerb stellen und von den besten Spielern der Welt lernen – anstatt sie auszuschließen. Nur so kann Deutschland wieder zu einer Weltspitze im Fußball avancieren.

Die damalige Entscheidung mag in ihrer Einfachheit verlockend gewirkt haben, doch ihre langfristigen Folgen waren verheerend. Sie zeigte, dass der deutsche Fußball in einer Sackgasse steckte und dringend eine neue Richtung brauchte. Eine Richtung, die weit entfernt von nationalistischen Parolen und Abschottungspolitik lag.