Schmidt bleibt: heidenheims herz verlässt das sinkende schiff nicht

Frank Schmidt stampft die Fluchtgedanken aus. Mitten im Bundesliga-Abstiegsstrudel zieht der 52-Jährige die Notbremse, schaut seine Mannschaft an und sagt: „Ich bleibe.“ Keine Ausflüchte, keine Schwanensee-Reden – einfach ein Schulterschluss mit dem 1. FC Heidenheim, der seit 2007 an seiner Seitelinie klebt.

Vertrag bis 2027 – und kein millimeter wanken

Die Zahlen sind brutal: 14 Punkte, Platz 18, zehn Zähler Rückstand auf den Relegationsrang. Doch Schmidt lässt sich nicht erpressen von Statistiken. „Auf mich kann man sich verlassen“, knallt er vor dem Leverkusen-Spiel in die Mikros. Kein „vielleicht“, kein „sollte“. Nur ein Satz, der in der Kabine lauter knallt als jede Anfeuerungsrede.

Die Gerüchte um einen Sommer-Ausstieg hatten sich wie Nebel über dem Voith-Arena gesammelt. Schmidt riss die Fenster auf. „Ich mag das nicht, wenn solche Dinge einfach im Raum stehen.“ Weg mit dem Dunst. Rein mit dem Glauben, dass auch ein Abstieg nur eine Etappe ist, kein Endpunkt.

Zweite liga? für ihn kein schimpfwort

Zweite liga? für ihn kein schimpfwort

Andere Trainer sprechen von „geilen Projekt“ nur, wenn Champions-League-Spotlights drohen. Schmidt redet von „dem nächsten Jahr“, als wäre es ein Abenteuer. „Ich will wieder Erfolge haben und dieser Gedanke, dann einfach auch das nächste Jahr zu schaffen und zusammen anzugehen, der treibt mich um.“

Ein Satz, der erklärt, warum die Fans hinter ihm stehen, selbst wenn die Tabelle brennt. Weil er nicht von oben herab redet, sondern mitgeht. Runter in die Zweite Liga? „Dann eben da.“ Kein Fürchterliches, kein Karriere-Krematorium – nur eine weitere Station auf einer Reise, die 2007 in der Regionalliga begann.

Am Samstag kommt Bayer Leverkusen, Spitzenreiter, Luxuskader, 79 Millionen Euro Marktwert. Heidenheims Kader kostet 44. Schmidt lacht nicht, weint nicht. Er stellt seine Elf auf, schreitet zur Linie, 90 Minuten lang der Letzte, der aufgibt. Dabei bleibt er. Vertrag hin, Abstieg her. Manchmal ist Treue keine Frage der Tabelle, sondern eine des Herzens.