Schluroff feuert in bremen: dhb-team jagt revanche gegen ägypten
15:30 Uhr, Stadthalle Bremen – und ein 25-Jähriger, der sich die Heimat nicht schöner vorstellen kann. Miro Schluroff bekommt sein Länderspiel im Wohnzimmer, und das deutsche Team bekommt die Chance, die defensiven Risse aus dem 41:38-Krimi von Dortmund zu kitten.
Alfred Gislassons Diagnose nach Donnerstag klang wie ein Blitzlicht: Angriff okay, Abwehr chaos. 38 Gegentore gegen Ägypten – das ist für einen Trainer, der Zahlen liebt, eine rote 38 im Lotto. „Wir haben zu oft den Faden verloren“, sagte er, ohne die Stimme zu heben. Die Spieler verstanden trotzdem jeden Ton.

Schluroffs schleuder soll es richten
Seine Wurfgeschwindigkeit kennt die Liga seit Jahren, die Ägypter erst seit drei Tagen. Schluroffs Schulterschlag – eine Mischung aus Katapult und Katzenmuskel – trug Deutschland schon zur EM-Silbermedaille. Gegen Dänemark reichte es nicht, heute soll der Ball wieder ins Netz und die Kurve nach oben gehen.
Die Stadthalle ist ausverkauft, 4.800 Fans, ein Großteil wegen ihm. Sein Vater kickte einst für Werder, jetzt führt der Sohn den Handball durch die Weserstadt. Bremen verwandelt sich für 60 Minuten in ein Presslufthorn, und Schluroff will den Ton angeben.
Die Aufstellung steht, doch die taktische Frage kreist um die 6-0-Deckung. Gislasson testete in Dortmund eine Hybrid-Lösung, die zwischen offenem Feuer und losem Drahtzaun schwankte. Heute will er Stabilität, weniger Rotation, mehr Klarheit. Ein Sieg mit weniger als 30 Gegentoren wäre schon ein halber Erfolg.
Ägypten reist mit dem Selbstvertrauen eines Teams, das weiß: Wir können die DHB-Auswahl ärgern. Linksaußen Karim Handawy war mit neun Treffern der Dortmunder Schrecken, seine Mitspieler feierten jeden Treffer wie ein Finale. Der afrikanische Meister spielt ohne Druck – und genau das macht ihn gefährlich.
Für Deutschland beginnt der Countdown zur Heim-WM 2027. Jedes Testspiel ist ein Protokoll, jede Zweikampfstatistik ein Hinweis auf den Kader, der vor eigenem Publikum um Gold kämpfen soll. Bremen ist Station eins auf einem Weg, der über Hamburg, Berlin und Köln führt.
Die Uhr tickt. In zwei Stunden klingelt der Anwurf. Schluroff steht schon in der Halle, Handballschuhe geschnürt, Blick auf die Anzeigetafel. Für ihn kein Test, für ihn Heimspiel. Wenn die Sirene heult, wird nicht nur ein Spiel gewonnen oder verloren – sondern ein Statement geliefert. Deutschland will nach vorne schauen, Ägypten will nach vorn treffen. Der Ball liegt bereit, die Stadt auch. Und die Schleuder ist geladen.
