Schiri-rassismus im amateurbereich: "das n-wort wurde gesagt!"
Schweinereien auf dem Platz, Beleidigungen aufgrund der Hautfarbe, und nun auch noch rassistische Äußerungen von Schiedsrichtern? Der Amateurfußball in Hessen steckt offenbar in einer Krise. Saha Maau, ein Mann des Sports seit 28 Jahren – zuerst als Spieler, heute als Trainer beim SKV Mörfelden – berichtet von erschreckenden Erfahrungen, die das Vertrauen in den fairen Sport nachhaltig erschüttern.
Die bittere wahrheit: schiedsrichter als auslöser
„Vor ein paar Monaten wurde ein Schiedsrichter für sechs Monate gesperrt, weil er zu mir das N-Wort gesagt hat“, schildert Maau mit Bestürzung. Der Unparteiische versuchte, seine Äußerung herunterzuspielen und behauptete, lediglich „Digga“ gesagt zu haben. Ein fadenscheiniges Alibi, das die tieferliegende Problematik nicht auslöscht. Maau ist nicht der Einzige, der rassistische Anfeindungen erlebt hat. Seine Familie stammt ursprünglich aus Somalia, was ihn besonders wählerisch macht, wenn es um Respekt und Gleichbehandlung geht.
Die Statistiken des Deutschen Fußballbundes (DFB) zeigen zwar einen Rückgang bei Diskriminierungsvorfällen in den letzten zwei Jahren, doch die Zahlen – über 2.400 Vorfälle bei 1,2 Millionen Spielen in der vergangenen Saison – lassen keinen Zweifel daran, dass das Problem weiterhin besteht. Ronny Zimmermann vom DFB mahnt daher, weiterhin wachsam zu sein und Vorfälle zu melden: „Jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel.“

Vereine engagieren sich – reicht das?
Der SKV Mörfelden, Maaus Verein, zeigt sich bemüht, gegen Rassismus und Diskriminierung vorzugehen. Transparente, Trikots mit entsprechenden Aufdrucken und Kooperationen mit dem Integrationsbüro der Stadt sollen ein Zeichen setzen. Doch die Realität auf dem Platz sieht oft anders aus.
Sportsoziologe Michael Mutz von der Liebig-Universität Gießen sieht die Sportvereine als Spiegelbild der Gesellschaft. „Sie sind nicht besonders rassistisch, aber auch nicht frei davon.“ Diese Aussage unterstreicht, dass die Bekämpfung von Rassismus nicht nur im Fußball, sondern in der gesamten Gesellschaft ansetzen muss.

Rechtslücke im hfv: ein gefundenes fressen für rassisten
Ein kürzlicher Vorfall bei einem Kreisoberliga-Spiel machte eine erschreckende Rechtslücke im Regelwerk des Hessischen Fußballverbands (HFV) deutlich. Nach rassistischen Äußerungen gegen einen dunkelhäutigen Spieler wurde das Spiel zwar abgebrochen, das Sportgericht wertete das Spiel jedoch mit 3:0 für die gegnerische Mannschaft. Ein Skandal, der den Vorstand des FV Delkenheim dazu drängt, eine Änderung des Regelwerks zu fordern.
Saha Maau hat gelernt, mit solchen Situationen umzugehen – manchmal auch mit dem Verlassen des Platzes. „Aber das macht man in dem Moment ja nur, weil man weiß, dass es nicht das Maß an Konsequenzen gibt, das es geben könnte, wenn man ein Spiel abbricht.“
Die Debatte um Rassismus im Fußball ist noch lange nicht abgeschlossen. Es braucht eine Null-Toleranz-Politik, konsequente Strafen und eine Sensibilisierung aller Beteiligten – von Spielern und Trainern bis hin zu Schiedsrichtern und Fans – um den Sport wieder zu einem Ort der Fairness und des Respekts zu machen. Die Worte von Saha Maau sind ein Weckruf: Der Kampf gegen Rassismus im Fußball ist ein Kampf für die Seele des Sports.
