Schalke verspielt 2:0 – rot gegen dzeko und der 97. minuten-schock

Knappe zehn Sekunden lang tobte die Veltins-Arena, als sei der Bann endlich gebrochen. Dann herrschte Grabesstille. Schalke hatte Hannover 96 mit offener Leine dominiert, führte verdient 2:0, kassierte in der 52. Minute die Rote Karte gegen Edin Dzeko – und kassierte in der achten Minute der Nachspielzeit doch noch das 2:2. Ausgerechnet Benedikt Pichlerköpfte nach einem Patzer von Loris Karius ein, ausgerechnet in Sekunde 96+1. Der Knüller, der die Königsblauen wieder in die Provinz der Frustgeschichten katapultiert.

Die szene, die alles zerbröselt

Dzeko ging hoch, Husseyn Chakroun ging quer – Unfall, nicht Attentat. Referee Robin Braun zückt sofort Rot, weil die Sohle offen, der Kontakt klar, die Gefahr real sei. „Gesundheitsgefährdend“, sagt Braun später in der Mixed Zone. Für Kenan Karaman ist das „maximal hart“: „Edin sieht ihn nicht, er will den Ball herunternehmen. Gelb wäre okay gewesen.“ Miron Muslic atmet tief durch, bevor er sich zusammenreißt: „Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl gibt man hier keine Rote Karte.“

Die Statistik lügt nicht: Vor dem Platzverweis 2:0-Torschüsse 12:3, xG 1,9:0,4. Danach 5:6, xG 0,3:1,1. Die Rot-Karte war der Schalter, der Hannovers Hoffnung und Schalkes Nervosität gleichzeitig öffnete.

Muslics wut und karius

Muslics wut und karius' selbstgespräch

„Wir haben Hannover überrollt“, sagt Muslic mit zitternder Stimme. „Dann kriegst du das 2:2 in letzter Minute – das tut extrem weh.“ Keeper Karius redet sich in der Katzenecke selbst Mut zu: „Ich versuche es noch, komme nicht hin, dann köpft er ihn rein. Unglaublich, brutal auf so eine Weise.“ Der Verdacht: Ohne den Sprung wäre Pichler nicht frei. Mit dem Sprung wird Karius zur tragenden Figur.

Youri Mulder kündigt bereits Einspruch an, sollte Dzeko länger als nur gegen Darmstadt gesperrt werden. „Jeder, der mal Fußball gespielt hat, weiß: Das ist keine Rote Karte.“ Die Schalker Rechtsabteilung wird die Szene Bild für Bild zerlegen, doch die Punkte lassen sich nicht mehr einklagen.

Der blick nach vorne rollt weiter

Der blick nach vorne rollt weiter

Am Samstag geht’s nach Darmstadt, Tabellenerster gegen Zweiten, zwei Punkte trennen die Rivalen. Die Aufstellung ist offen, weil Dzeko fehlt und der Glaube schwankt. Muslic stemmt sich gegen die Ernüchterung: „Trotzdem müssen wir wieder aufstehen.“ Die Saison ist kein Sprint, sondern ein Marathon mit Strafarbeit. Schalke hat soeben die ganze Bürde der 2. Bundesliga auf einmal gespürt – und weiß: Die nächste Gelegenheit, die Story zu drehen, kommt in fünf Tagen. Dann ist Karius wieder in der Kiste, Muslic wieder an der Linie und die Veltins-Arena wieder ein Kessel. Die 96. Minute wird ihnen noch lange im Nacken sitzen, aber der Ball rollt unbeirrt weiter.