Schalke rettet spitze: muslics glückloser joker wird zum stolperstein
Ein Punkt, der wie drei zählt. Schalke 04 verlässt Darmstadt mit einem 1:1, aber mit dem Gefühl, die Länderspielpause als Tabellenführer überstanden zu haben. Die Szene, über die alle reden, dauerte sieben Sekunden: Christian Gomis, eingewechselt, frei vor dem Tor, schießt den Ball an die Latte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht: leer. Der von Miron Muslic: starr. Ein Trainer, der seinen Joker nicht hadern will – aber genau das tut er in diesem Moment.
Muslics sylla-lob klingt wie ein seitenhieb auf dzeko
Moussa Sylla durfte erstmals seit Januar wieder von Beginn an ran, weil Edin Dzeko gesperrt fehlte. Er traf, er lief, er war da. „Ein Stürmer-Tor“, schwärmt Muslic, „weil er als Einziger spekuliert.“ Die Wortwahl ist bewusst. Dzeko, der Kroate mit Star-Allüren, hätte vermutlich nicht spekuliert, sondern eingewickelt. Sylla bewies Instinkt, Dzeko beweist oft nur Ego. Die Leihe aus Monaco wird zur Intrige.
Die Statistik dahinter: Schalke erzielte in dieser Saison bereits neun Auswärtstore durch Wechselspieler – Rekwert in Liga zwei. Muslic rotiert, weil er muss. Darmstadt ist zu Hause ein Fest, 10 Heimsiege in 14 Partien. „Jedes Spiel ist 50:50“, sagt Muslic, „aber gegen die stärkste Heimmannschaft nehmen wir den Punkt mit.“ Klingt nach Rechnung, ist aber Realpolitik.

Karius’ nachspielzeit-allergie wird zur chefsache
Loris Karius wischt sich die Hand schweinschwärz. 45+1 steht auf der Uhr, Isac Lidberg donnert den Ball zum 1:1 unter die Latte. „Wieder Nachspielzeit“, stöhnt der Keeper, „daran müssen wir arbeiten.“ Die Zahlen bestätigen seine Paranoia: Sechs Gegentore fielen Schalke nach der 90. Minute – mehr als jedem anderen Club. Die Abwehr schläft, der Faden reißt. Muslic will das Thema kleinreden, aber sein Blick wandert zum Videoanalysten, der bereits die Sequenz zieht.
Die Tabelle lügt nicht: Schalke steht mit 28 Punkten vorne, hat aber nur zwei Zähler Vorsprung auf Platz vier. Die Liga ist so eng wie ein Trikot nach Weihnachtsbraten. Die Pause kommt ungelegen, weil der Schwung bleibt. „Wir halten sie weg von uns“, sagt Timo Becker und meint die Verfolger. Klingt nach Pferderennen, ist genau das.

Gomis’ verballerter sieg ist ein vorbote
Christian Gomis wird nicht untergehen. Muslic garantiert es, weil er muss. Der 20-Jährige kommt aus der eigenen Jugend, hat Tore im Blut, traf in der U23 sieben Mal in acht Spielen. Der große Moment ist nur verschoben. „Er wird noch mal ein Faktor“, sagt der Trainer und klingt dabei wie ein Mann, der weiß, dass die Saison noch lang ist. Die Lattenkracher von heute können die Winner von morgen sein.
Schalke verlässt Darmstadt mit einem Punkt, aber mit dem Selbstbewusstsein eines Aufsteigers, der gelernt hat, dass Spitze sein auch heißt: nicht zu verlieren. Die Fans singen noch auf dem Boulevard, die Spieler winken, der Bus rollt Richtung Ruhrgebiet. Die Tabellenführung ist kein Geschenk mehr, sondern ein Gefängnis, aus dem man nur mit Siegen flieht. Die nächste Gelegenheit: Heidenheim, 15. November, Aufstiegsfinale im November. Bis dahin hat Gomis seine Chance – und Muslic seine Antwort.
