Scafatese spielt verrückt: 26 spiele, 0 niederlagen – und der sportchef träumt von maradona

Kein italienisches Profiteam schafft es, Scafatese die Stirn zu bieten. Die kleine Kampanier-Drittligistin marschiert mit 20 Siegen, 6 Remis und 0 Pleiten durch die Serie D – und lässt Inter, Milan und Napolé hinter sich. Der schmale Vorsprung auf Verfolger Trastevere? 17 Punkte. Die Mission: nach 16 Jahren endlich wieder ins Profigeschäft.

Der mann, der ronaldo stoppte und jetzt den rekord jongliert

Pietro Fusco, 52, Sportdirektor der Scafatese, trägt die Schlagzeilen mit süditalienischer Gelassenheit. „Alle reden von uns, das tut gut“, sagt er am Telefon, „aber Statistiken fressen keinen Gegner.“ Dabei wäre genug Stoff für Zahlenfetischisten: 55 Tore, nur 16 Gegentore, zehn Siege in Serie. Doch Fusco schaltet zurück. „Serie D ist ein anderes Universum. Wir wollen einfach nur aufsteigen.“

Seine WhatsApp-Profilbild zeigt ein Foul an Ronaldo Nazário, 1997, Stichwunde am Jochbein, sieben Stiche. „Er fragte vor Anpfiff: ‚Wenn du mich stopfst, gibt’s das Trikot‘. Endstand 1:1, Ronaldo traf nicht – und hielt Wort.“ Die Fotografie geistert seit Jahren durch die Medien. „Irgendwann muss ich sie wohl austauschen“, lacht Fusco, „aber der Junge in mir will das nicht.“

Vom castellani bis castellamare: aufstieg statt nostalgie

Vom castellani bis castellamare: aufstieg statt nostalgie

Die Erfolgsstory ist kein Zufall. Präsident Felice Romano, Tomatenkönig aus der Provinz Caserta, kaufte 2024 den insolventen Klub, stellte Schulden und startete ein Projekt mit Handwerker-Präzision. Trainer Giovanni Ferraro setzt auf 4-2-3-1, Druck nach vorne, sofortiges Gegenpressing. Die Rückrunde ist erst zwei Spieltage alt – schon redet ganz Kampanien vom „Ritorno dei Gladiatori“.

Dabei war Scafatese 2008 pleite, landete in der Terza Categoria, der siebten Spielklasse. 104 Jahre Geschichte, zwei Jahre Serie B (1946-48), danach Jahrzehnte in der Versenkung. „Wir haben Schritt für Schritt Beton gegossen“, erzählt Fusco. „Jugendwerk, Analytics, Mental-Coaching – nichts war zu teuer, nichts zu klein.“ Selbst der legendäre Totò Di Natale half kurzzeitig als Teammanager, ehe er beruflich abdankte.

Maradona, kunststoffbecher und ein pullman in die disco

Maradona, kunststoffbecher und ein pullman in die disco

Fusco selbst ist Kind des Napoli-Nordkurve. 1988 trainierte er mit Maradona. „Er trabte mit uns, trank Espresso, jonglierte mit Plastikbechern, als wären es Goldenen.“ Spalletti führte ihn später nach Empoli, ließ ihn Ronaldo markieren. „Dienstags blieb ich 20 Minuten länger auf dem Platz, er erklärte mir jede Lücke, die ich offen gelassen hatte.“ Nach Pleiten lockte Spalletti den Kader nach Porto Venere – und fuhr mit dem Mannschaftsbus in den Club. Drei Tage später schlug Empoli Ancelottis Parma mit Buffon, Cannavaro, Thuram. „Motivation war sein zweiter Vorname“, schwärmt Fusco.

Heute schlägt er dieselben Töne. „Wir feiern nicht, wir arbeiten“, betont er. „Am Sonntag kommt Aprilia, dann Latina. Wer durchatmet, wird bestraft.“ Die Stadt Scafati lebt Basketball, doch die Gelb-Blauen wollen neuen Stoff für Lieder liefern.

Die Meisterschaft ist noch lang, der Gegner von nebenan schon da. Trotzdem: Wer 26 Spiele durchhält, ohne zu fallen, der fürchtet sich auch vor Legenden nicht. Fusco lacht ein letztes Mal. „Mein größter Sieg? Wenn Scafatese endlich wieder in die Serie C einzieht. Dann nehme ich das Ronaldo-Trikot aus dem Schrank und weiß, warum ich jede Stiche genommen habe.“