Saudi-arabien stoppt den geldregen? das ende einer ära im sport?
Die Sportwelt steht vor einem Umbruch. Die saudi-arabischen Investitionen, die in den letzten Jahren für Schlagzeilen und eine regelrechte Geldflut sorgten, scheinen sich zu verlangsamen. Der staatliche Investmentfonds PIF hat eine strategische Überprüfung angekündigt, die das Gesicht des Sports nachhaltig verändern könnte.
Prioritätenwechsel: fokus auf den eigenen markt
Lange Zeit schien es, als ob Saudi-Arabien mit unbegrenzten Mitteln in den Sport investieren würde, um sich international zu profilieren und die Wirtschaft zu diversifizieren. Der PIF, das Public Investment Fund, steckte Milliarden in Sportligen und -veranstaltungen weltweit. Doch diese Phase scheint nun zu enden. Die strategische Überprüfung, die im April bekannt gegeben wurde, deutet auf eine Neuausrichtung hin: Der Fokus soll verstärkt auf inländische Projekte und etablierte Vermögenswerte gelegt werden. Das bedeutet für den globalen Sport: weniger freie Mittel aus dem Königreich.
Die ersten Opfer sind bereits zu verzeichnen. Das prominenteste Beispiel ist LIV Golf, das mit massiven Investitionen und lukrativen Angeboten an Top-Golfer für Aufsehen sorgte. Nun hat der PIF die Finanzierung eingestellt, was das Überleben des umstrittenen Turniers in Frage stellt. Aber LIV Golf ist nicht allein. Auch andere Sportligen, Veranstalter und Eigentümer, die auf saudi-arabische Finanzierung angewiesen sind, müssen sich auf eine neue Realität einstellen.
Es ist wichtig zu betonen, dass Saudi-Arabien seine sportpolitischen Ziele nicht aufgegeben hat. Das Land sieht im Sport weiterhin ein wichtiges Instrument für Soft Power und zur Diversifizierung der Wirtschaft jenseits des Ölgeschäfts. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass saudische Investitionen künftig selektiver und auf den Return auf Investition ausgerichtet sein werden. Die Zeiten der unbegrenzten Geldgeber scheinen vorbei.

Der liv-golf-kollaps: ein warnsignal für die branche
Der Rückzug des PIF aus LIV Golf ist ein deutliches Signal für die gesamte Sportbranche. Der Circuit, der mit der Verlockung von Millionenverträgen Top-Golfer aus der PGA Tour abwerben wollte, steht vor dem finanziellen Ruin. Der PIF hatte bereits rund 5 Milliarden Dollar in das Projekt investiert, um mit dem PGA Tour zu konkurrieren. Nun sucht LIV Golf verzweifelt nach neuen Investoren, um seine Existenz zu sichern. Die Suche gestaltet sich jedoch schwierig, da die Aussichten auf Rentabilität fraglich sind. Der ehemalige PIF-Chef Yasir Al-Rumayyan hat sich bereits von dem Projekt distanziert, was die Situation weiter verschärft.
Doch LIV Golf ist nicht der einzige Bereich, in dem sich Saudi-Arabien zurückzieht. Auch im Fußball hat der PIF Anteile an Al Hilal verkauft und plant, weitere Verkäufe von seinen anderen großen Fußballvereinen durchzuführen. Darüber hinaus wurden Sponsoring-Verträge für Veranstaltungen wie das Flag Football Event und die Olympischen Esports-Spiele gekündigt. Sogar die Ausrichtung der Asienspiele 2029 wurde verschoben, was auf eine Neupriorisierung der sportlichen Großprojekte hindeutet.

Newcastle united: eine ausnahme?
Trotz des allgemeinen Rückzugs gibt es eine Ausnahme: Der Premier-League-Club Newcastle United. Der PIF betrachtet die Investition in den Verein weiterhin als strategisch wichtig und plant keine kurzfristige Desinvestition. Allerdings sucht der Fonds auch hier nach Möglichkeiten, eine Minderheitsbeteiligung an Investoren zu verkaufen, um die Finanzierung für den Ausbau des Stadions und des Trainingszentrums zu sichern. Die Investitionen in Newcastle belaufen sich bereits auf mehrere hundert Millionen Pfund.
Die Zukunft des Sports wird sich zweifellos verändern. Die Ära der unbegrenzten saudischen Investitionen ist vorbei. Stattdessen wird es eine neue Phase geben, in der Investitionen selektiver und auf langfristige Rentabilität ausgerichtet sind. Die Sportwelt muss sich auf diese neue Realität einstellen und nach nachhaltigen Geschäftsmodellen suchen, die nicht von der Großzügigkeit einzelner Staaten abhängig sind. Die FIFA hat sich dem Rechnung gestellt und arbeitet nun eng mit Saudi-Arabien zusammen, insbesondere im Hinblick auf die WM 2034 und die Partnerschaft mit DAZN, um den Sport in der Region weiterzuentwickeln.
