Becker verteidigt star-behandlung bei french open: „natürlich werden sie besser behandelt“
Paris – Die Diskussionen um die vermeintliche Bevorzugung von Tennis-Stars bei den French Open in Roland-Garros erreichen neue Höhen. Nachdem Laura Siegemund nach ihrer Niederlage gegen Naomi Osaka öffentlich Kritik geäußert hatte, meldete sich nun auch Boris Becker zu Wort und nahm die Debatte in die Hand. Seine Einschätzung ist unmissverständlich: Top-Spieler genießen Privilegien – und das ist kein neues Phänomen.
Ein paar minuten erholung, die entscheidend sein können
Becker führte in der Sendung „Matchball Becker“ bei Eurosport das Match von Jannik Sinner gegen Eliot Spizzirri bei den Australian Open an. Sinner hatte dort mit körperlichen Problemen zu kämpfen, und genau in diesem Moment wurde das Dach geschlossen, was zu einer Unterbrechung führte. „Als sie entschieden haben, das Dach zu schließen, konnte er den Platz verlassen, da das einige Minuten dauert. Diese paar Minuten konnte er sich erholen“, erklärte Becker. Diese kurze Auszeit, so der ehemalige Wimbledon-Sieger, könne den Unterschied ausmachen.
Becker machte deutlich: „Lange Rede kurzer Sinn: Natürlich werden die Top-Spieler und Spielerinnen besser behandelt.“ Es sei ein offenes Geheimnis in der Tenniswelt, dass Stars eine Sonderbehandlung erfahren, die über das hinausgeht, was für weniger bekannte Spieler gilt.

Tickets verkaufen, quote verkaufen – ein geschäft
Becker relativierte die Kritik jedoch und betonte, dass dies Teil des Geschäfts sei. „Weil wir Tickets verkaufen, Quote verkaufen. Das war in der Zeit mit Djokovic, Federer und Nadal auch so. Und womit? Mit Recht“, argumentierte der 68-Jährige. Die Anziehungskraft der Top-Stars sei essenziell für den Erfolg eines Turniers.

Siegemunds kritik am regelwerk
Die Debatte wurde durch die Äußerungen von Laura Siegemund zusätzlich angeheizt. Sie bemängelte, dass Naomi Osaka kurz vor Spielbeginn noch anderthalb Minuten Zeit hatte, sich umzuziehen, während bei jedem Turnier penibel auf die Einhaltung der Regeln geachtet werde. Becker konterte, dass sich die Top-Spieler ihre Sonderstellung durch ihre Erfolge verdient hätten. „Du musst ja erstmal große Turniere gewinnen, Nummer eins werden, Grand Slam gewinnen und dann hast du eine größere Rolle“, so Becker.
Die Privilegien beschränkten sich nicht nur auf den Platz, sondern erstreckten sich auch auf andere Bereiche, wie beispielsweise die Vergabe von Trainingsplätzen. Becker schloss mit einem lakonischen Kommentar ab: „Aber es liegt an dem Spieler, der muss einfach nur mehr gewinnen und eine größere Rolle spielen. Das Leben ist nicht immer fair.“
Die French Open 2026 werden zeigen, ob die Diskussion um die Star-Behandlung weiter an Intensität gewinnt oder ob die etablierten Strukturen Bestand haben.
