Sandhausen: nach janßen-entlassung droht abstiegskampf

Die Zeichen stehen schlecht für den SV Sandhausen. Nach der Trennung von Trainer Olaf Janßen und einem desolaten Saisonverlauf muss der ambitionierte Verein nun bangen, nicht schon in der Regionalliga Südwest zu landen. Der 90. Geburtstag des langjährigen Ehrenpräsidenten Erich Balles wurde von der düsteren Lage überschattet – ein trauriger Kontrast zur glorreichen Vergangenheit des Klubs.

Ein trainer geht, die probleme bleiben

Janßens Abgang kam wenig überraschend. Seine Verpflichtung, aus einer völlig neu zusammengestellten Mannschaft einen attraktiven und erfolgreichen Fußball zu formen, erwies sich als eine Illusion. Die Kritik des Trainers nach dem 1:1 gegen Bahlingen – „Ich schäme mich, Trainer dieser Mannschaft zu sein“ – hallt noch nach. Jetzt soll Kevin Stotz, bisher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, das Ruder übernehmen. Ein Mann des Hauses, der zwar Stallgeruch mitbringt, aber ob er die Aufgabe stemmen kann, ist fraglich.

Die Personalfluktuationen in Sandhausen sind legendär. Seit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga 2012 wurden bereits 15 Trainer entlassen! Eine erschreckende Bilanz, die auf eine tiefe strukturelle Krise hindeutet. Die ständigen Wechsel haben dazu geführt, dass sich in der Mannschaft seit Jahren keine Konstanz einstellen konnte. Das 1:3 gegen Sonnenhof Großaspach offenbarte einmal mehr die Schwächen des Teams: Ein Haufen Individualisten ohne Zusammenhalt und taktische Disziplin.

Die Situation eskalierte, als Janßen im letzten Spiel auf drei Jugendspieler aus der B-Jugend, darunter ein 16-Jähriger und zwei 17-Jährige, zurückgreifen musste. Seine Aussage nach der 0:2-Niederlage in Offenbach – „Sie haben mehr Betrieb gemacht als die anderen in 60 Minuten zuvor“ – war ein vernichtender Urteil über die Leistungsbereitschaft der erfahrenen Profis. Die hohe Anzahl an Verletzungen, oft zweistellig, trug zusätzlich zur Misere bei. Es handelte sich dabei nicht nur um Pech, sondern auch um ein Mangel an körperlicher und mentaler Robustheit bei vielen Spielern.

Nach einem kurzen Zwischenspurt im Herbst ist die Hoffnung auf eine Trendwende im Sandhausen-Lager verflogen. Vier weitere Neuzugänge konnten den Abwärtstrend nicht stoppen. In den letzten acht Spielen gab es nur einen Sieg. Der SV Sandhausen versinkt im Niemandsland der Tabelle, weit entfernt von den einstigen Aufstiegsambitionen. Der Dreijahresvertrag mit Janßen endete nach nur neun Monaten – ein weiteres Zeichen für die chaotische Lage im Verein.

Die vergangenheit als mahnung

Die vergangenheit als mahnung

Erich Balles, der Ehrenpräsident, blickte kürzlich auf seine 90 Jahre zurück und gestand: „Wenn ich an meinen Verein denke, könnte ich weinen.“ Er erinnert an die glorreichen Zeiten, als Sandhausen als „FC Bayern der Oberliga“ die deutsche Amateurfußballszene dominierte. Diese Erinnerungen sind jedoch nur noch ein schwacher Trost angesichts der aktuellen Realität. Die Frage ist, ob Jürgen Machmeier, der mächtige Präsident, den richtigen Nachfolger findet, um den SV Sandhausen wieder auf Kurs zu bringen. Die Aufgabe ist herkulisch und erfordert einen Umbruch, der weit über einen Trainerwechsel hinausgeht.

Die Fans bangen um den Verein. Die Zeit drängt. Ob Sandhausen den Abstiegskampf überlebt, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar: Die aktuelle Situation ist ein Desaster für einen Verein mit solch einer Tradition.