Sammer zerreißt sané-bashing: ‚unwürdig für deutschland‘
Matthias Sammer hat genug. Am Rande des Länderspiels gegen Italien platzt dem BVB-Berater der Kragen – und sein Ziel ist nicht etwa Julian Nagelsmann, sondern ein ganzer Kommentarzirkus.
„Sané 1000 Prozent hieß es vor drei Monaten, jetzt heißt es Sané 0 Prozent. Das ist für Deutschland ein bisschen unwürdig“, donnert Sammer im Sky-Interview. Noch nie zuvor hat der Europameister von 1996 den Ton gegen die medialen Erfolgsgeier so scharf gewählt. Für ihn ist klar: Die hysterische Kehrtwende bei Leroy Sané ist kein Fußballproblem, sondern ein Stück Gesellschaftslenkung durch Schnellschuss-Kolumnen.
Der fall sané: ein lehrstück über deutsche raserei
Die Fakten liegen auf dem Tisch: 27 Jahre, 55 Länderspiele, 13 Tore – und eine Formkrise, die gerade mal zwei Spiele andauert. Sammer zieht daraus eine bittere Bilanz: „Wir reden uns das Maul fusselig über Einzelpersonen, statt Strukturen zu hinterfragen.“ Dabei sei Sanés Eins-gegen-Eins-Qualität weiterhin „ein Asset für jeden Gegner mit hoher Defensive“. Die vermeintlichen Experten, so Sammer, verwechseln Laufleistung mit Tagesform und vergessen, dass Kreativspieler immer auch Risikoträger bleiben.
Sein Appell: „Entscheidet Nagelsmann, nicht die Talkshow.“ Denn bis zur WM 2026 in Mexiko, Kuba und den USA seien noch neun Monate – genug Zeit für einen Neuanlauf, selbst wenn der Bayern-Flügel gerade nur Joker-Minuten sammelt.

Undav-debatte als nebenschauplatz
Bei Deniz Undav legt Sammer nach, indem er die Klappe hält. „Ich bin amüsiert, welche Diskussionen wir führen – über einzelne Personen“, sagt er und schaut dabei demonstrativ in die Kamera. Die Botschaft: Ein Bundestrainer verdient Vertrauen, kein Dauerfeuer aus Analysten-Kanonen. Dabei blendet Sammer aus, dass Undavs Saisonbilanz von 19 Toren und 8 Assists in 30 Spielen selbst seine Kritiker verstummen lässt.
Sein Fazit klingt wie ein Verdikt gegen die mediale Achterbahn: „Wir schaden dem Team, weil wir Einzelfälle zum System erheben.“

Sammers plan: sturm statt stimmungsmache
Der 57-Jährige fordert statt Dauerberichterstattung über Einzelleistungen eine Rückkehr zur Fußball-Logik: „Gucken, analytisch vorgehen, nach vorne blicken.“ Das bedeutet für Sané: Training, nicht Tribunal. Für Undav: Geduld, nicht Gekreische. Und für Nagelsmann: Rückendeckung statt Rücktrittsforderungen nach jedem Testspiel.
Sammer selbst will sich künftig „ein Stück zurückhalten“. Doch sein Donnerschlag wirkt: In den sozialen Kanälen kursiert bereits der Hashtag #TrustNagelsmann – initiiert von Fans, die der Hetze leid sind. Die WM ist noch fern, aber die Richtung ist neu. Sammer hat den Pulverdampf verteilt – und liefert damit die erste Kampfansage vor der eigentlichen Kampfansage.
