Sammer zerlegt hürzeler: titel zählen, nicht schönwetter-fußball
Matthias Sammer hat den Mund aufgemacht und mit einer Handvoll Sätzen die Diskussion um den FC Arsenal pulverisiert. Vor dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Bayer Leverkusen ließ der Europameister von 1996 kein gutes Haar an jenen, die den Tabellenführern der Premier League ständig Schmackhaftigkeit und Fairness unterstellen.
Sein Hauptziel: Brighton-Coach Fabian Hürzeler. „Bevor du so eine Mannschaft kritisierst, musst du mindestens drei Titel gewonnen haben und nicht mit Pauli aufgestiegen sein oder in der Premier League“, donnerte Sammer bei Prime. Der 57-Jährige sprach das aus, was viele Experten nur hinter vorgehaltener Hand sagen: Wer nichts gewonnen hat, hat kein Recht, Taktik-Moral zu predigen.
Der pokal schreibt die geschichten – nicht die ästhetik-polizei
Seine Kernbotschaft war gnadenlos klar. „Es gibt keine B-Noten im Fußball, sondern es gibt am Ende Titel. Und wer einen Titel gewonnen hat, hat recht.“ Arsenal steht aktuell auf Platz eins, hat die Wintermeisterschaft gebucht und strebt nach dem ersten Meistertitel seit 20 Jahren. Für Sammer zählt allein dieser Fakt, nicht die Frage, ob Mikel Artetas Mannschaft 90 Minuten lang tiki-taka-Feuerwerk abliefert.
Dabei sparte er nicht mit Spitzen gegen die englische Medienlandschaft. „Denen muss langweilig sein auf der Insel, um so einen Blödsinn zu erzählen.“ Die Kritik an Zeitspiel, Taktikfouls und Gehüpfe auf der Bande wertete er als Neiddebatte, betrieben von Leuten, die selbst keinen Druck mehr aushalten.

Hummels sieht es ähnlich – trotz langeweile im sofa
Mats Hummels, der neben Sammer in der Expertenrunde saß, pflichtete ihm bei – wenn auch mit Einschränkungen. „Ich schaue es mir auch nicht gerne an. Sie haben mich wenig vom Hocker gerissen“, gab der BVB-Abwehrjäger zu. Dennoch konterte er die ewigen Schönspiel-Rufe mit einem simplen Satz: „Der Erfolg gibt ihnen aktuell auf jeden Fall recht.“
Für Hummels offenbart die Debatte einen typischen Fehler der Öffentlichkeit: Sie verwechsle Unterhaltung mit Effektivität. Dort, wo Borussia Dortmund in der Bundesliga 50:50-Duelle liefert, dominiert Arsenal fast jeden Gegner, auch wenn die Show dabei ausfällt. Die Tabelle lügt nicht – und wer oben steht, darf sich die Spielregeln diktieren.
Kurz vor dem Anpfiff in Leverkusen hat Sammer mit seiner Attacke die Messlatte hochgelegt. Entweder Arsenal beweist erneut, dass Pragmatismus Titel bringt – oder Hürzeler und Co. bekommen ungewollt recht, wenn die Gunners patzen. Sammer wird dann sicher wieder den Mund aufmachen. Die Antwort liefert der Rasen.
