Norwegischer dsv-coach will heim: olsbu røiseland lockt die heimkehr

Sverre Olsbu Røiseland hat den Rückzug eingeläutet. Noch steht der 35-Jährige auf der Trainingswiese in Ruhpolding, doch sein Kopf ist längst in Lillehammer. Der Co-Trainer der deutschen Damen bestätigte gegenüber TV2, dass er «Interesse bekundet» hat, nach Norwegen zurückzukehren – und das, obwohl ihm beim Deutschen Skiverband ein Vertragsangebot auf dem Tisch liegt.

Der familienvater zieht's nach hause

Die Kalkulation ist simpel: 2023 wurde er Vater, die Tochter wächst in Oslo, nicht in Berchtesgaden. «Beruf und Familienleben müssen vereinbar sein», sagt er knapp. Dahinter steckt kein Dissens mit dem DSV, sondern schiere Geografie. Seine Frau arbeitet in Norwegen, die Großeltern helfen, und er selbst pendelt seit drei Jahren zwischen Weltcup-Ort und Wohnzimmer. «Ich will meiner Tochter beim Aufwachsen nicht nur via Video begegnen», erzählt er leise.

Dass er dafür das deutsche Team verlassen könnte, empfindet er nicht als Verrat, sondern als logische Konsequenz. Schließlich kennt er den Weg: Von 2016 bis 2019 baute er bereits die norwegische Junioren-Nationalmannschaft auf, schulte dort Stina Nilsson und Co. «Ich weiß, wie die norwegische DNA funktioniert», sagt er und lacht verschmitzt, «und sie kennen mich.»

Dsv steht vor dem karten-neustart

Dsv steht vor dem karten-neustart

Für den Deutschen Skiverband könnte der Weggang zum Dominoeffekt werden. Felix Bitterling, der Olsbu Røiseland 2022 nach Deutschland holte, wird den Verband verlassen. Sein Nachfolger Bernd Eisenbichler kündigte an, «an allen Stellen nachzuschärfen». Die interne Analyse nach den enttäuschenden Olympischen Spielen läuft – und ein Schlüsseltrainer, der sich selbst auf Abwegen sieht, macht die Sache nicht einfacher.

Ohne Olsbu Røiseland verliert der DSV nicht nur einen Taktiker, der die Laufzeiten der Frauen um durchschnittlich 1,8 Prozent senkte, sondern auch einen Brückenbauer zum nordischen Netzwerk. «Er spricht die Sprache der Skandinavier – im wörtlichen und im übertragenen Sinne», sagt ein Verbandsinsider. Wer ihn ersetzen soll, steht offen. Interne Kandidaten gibt es wenige, externe verlangen bei der angespannten Haushaltslage hohes Salär.

Olsbu Røiseland selbst wirkt gelassen. «Ich habe Zeit», sagt er. Sein Vertrag läuft am 30. Juni aus, Gespräche mit dem Skiförbundet stehen noch aus. «Wenn Norwegen anklopft, höre ich zu. Aber ich bedanke mich auch bei Deutschland für das Vertrauen.» Es klingt nach einem Mann, der die Optionen offenhalten will – und nach einem, der längst weiß, wohin die Reise geht.

Die Entscheidung fällt vermutlich schon im Mai, wenn der Weltcup in Oslo Holmenkollen endet. Dann steht Olsbu Røiseland vor 20 000 lauten Landsleuten – und vor der Frage, ob er künftig wieder auf norwegischer Seite der Bande steht. Die Wahrscheinlichkeit: hoch. Die Emotion: keine Träne, aber ein Seufzer der Erleichterung. Für den DSV hingegen beginnt eine neue Ära – mit oder ohne den Mann, der die deutschen Damen wieder schneller machte.