Salah verlässt liverpool: 255 tore, zwei titel, ein drama
Mohamed Salah trägt das rote Trikot nur noch 67 Tage. Dann endet eine Ära, die Liverpool in Saudi-Arabien, auf der Bank und in den sozialen Netzwerken bereits jetzt spaltet.
Der 33-Jährige verkündete am späten Dienstag via Instagram das Ende nach neun Jahren – der Klub bestätigte wenig später, dass der Vertrag vorzeitig aufgelöst wird. Ursprünglich war Salah bis 2027 gebunden, doch die Sehnsucht nach einem letzten großen Geldsegen im Nahen Osten war stärker als die Geschichte, die er auf Anfield geschrieben hat.
Der tag, an dem klopp zur nebensache wurde
255 Treffer in 435 Pflichtspielen, zwei Meisterschaften, eine ChampionsLeague, vier Torjägerkrone – die Zahlen sind so laut, dass man fast überhört, wie leise Salah den Abschied einläutete. „Leider ist der Tag gekommen“, sagt er in dem 90-Sekunden-Clip, der aussieht, als hätte er ihn selbst geschnitten. Kein Klub-Logo im Hintergrund, keine Dankesrede von Teammanager Arne Slot, nur Salah, eine Kappe und der Satz: „Liverpool ist nicht nur ein Fußballverein. Es ist eine Leidenschaft.“
Was niemand laut sagt: Die Leidenschaft kühlt seit Dezember. Damals saß Salah dreimal in Folge auf der Bank, schoss sich anschließend in einem TV-Interview gegen die Klubführung und warf Liverpool vor, ihn „unter den Bus geworfen“ zu haben. Seitdem brodelt es in jeder Trainingseinheit. Slot musfte intern Dämpfen, die Kommunikation wurde auf ein Minimum reduziert. Die Trennung ist kein Knall, sondern ein Riss, der endlich aufbricht.
Die saudische Al-Hilal hatte bereits im Sommer 2023 ein Angebot von 150 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Die Reds lehnten ab, Salah blieb – und wurde mit der Verlängerung um zwei Jahre quasi für das nächste Verkaufsfenster gerüstet. Jetzt zahlt der saudische Klub kein Transferbudget mehr, sondern nur noch ein fettes Gehalt: geschätzte 60 Millionen Euro netto pro Saison. Für einen 33-Jährigen, der in England keine Schnitte mehr machen muss, ist das die letzte echte Lotterie.

Die stadt trauert schon vor dem finale
In den Pubs um Anfield wurde Dienstagabar die Musik leiser gestellt, als das Video durchs Handy flimmerte. „Wie wenn dein Bruder auszieht und dir vorher noch die Schuld an der kaputten Beziehung gibt“, sagt Dave, Barkeeper im „The Sandon“, und wischt mit dem Handtuch über ein bereits trockenes Glas. Die Fans werden Salah feiern, wenn er am 25. Mai in Newcastle sein letztes Mal aufläuft. Aber sie werden auch wissen, dass der Ägypter längst mental in Riad ist.
Slot muss nun eine neue rechte Seite finden. Luis Díáz kann zentralisieren, Cody Gakpo rutscht nach außen, doch keiner der verbleibenden Spieler hat die 20-Tore-Garantie, die Salah in fünf der letzten sechs Saisons lieferte. Die Statistik wird zur Falle: Ohne seine Tore hätte Liverpool in der laufenden Premier-League-Saison neun Punkte weniger. Das wäre Platz sieben statt drei.
Salah selbst wird sich in den nächsten Tagen nach Saudi-Arabien abseilen. Dort wartet schon ein Privatjet mit goldener Treppe. Was bleibt, ist ein Loch auf der rechten Außenbahn und ein Satz, den er in seinem Video unterschlagen hat: „Ich komme nie wieder.“ Die Wahrheit ist schmerzhafter als jede Statistik – und sie passt genau in diese Stadt, die einst Beatlemania erfand und sich nun von einem einzigen Flügelspieler verabschiedet, der mehr Tore schoss als Spiele bestritt.
