Sakamoto tanzt sich mit gold in den ruhestand – japans eiskunstlauf-ikone sagt mit vierter wm-krone tschüss

Kaum ein Abschied war so golden wie der von Kaori Sakamoto. Die 24-jährige Japanerin schraubte sich bei der WM in Prag auf 238,28 Punkte – persönliche Bestleistung, vierten Weltmeistertitel, Schlusspunkt.

Die Arena explodierte, als ihre „Last Dance“-Kür endete. Kein Sprung wackelte, keine Pirouette verfehlte. Hinter ihr blieben Mone Chiba (228,47) und die Belgierin Nina Pinzarrone (215,20) weit zurück. Drei Minuten makelloser Eiskunst, danach Tränen statt Technik.

Das war keine show, das war ein statement

Schon am Mittwoch hatte Sakamoto mit ihrem Kurzprogramt allein 84,05 Punkte geholt – ein Wert, den außer ihr nur Olympia-Gewinnerinnen kennen. In der Kür steigerte sie sich noch, als wolle sie jeden Zweifler verstummen lassen. Die 20-Kilometer-Fahrt vom Hotel zur Halle nutzte sie, um sich mit Headphones abzuschotten. „Ich habe mir einfach vorgestellt, wie das Licht aussieht, wenn ich meine letzte Drehung stehe“, sagte sie danach. „Dann war da nur noch Musik und Eis.“

Die Konkurrenz hatte von Anfang keine Chance. Chiba, erst 18, lieferte zwar sauber ab, verzichtete aber auf das dreifache Axel, das Sakamoto als einzige im Feld riskierte. Pinzarrone kam als unbekannte Europäerin ins Spiel, holte Bronze und brach in ein „Ist das wirklich mein Name auf der Anzeige?“-Weinen aus.

Ein karrierebogen, der selbst olympia in den schatten stellt

Ein karrierebogen, der selbst olympia in den schatten stellt

Von 2022 bis 2024 dominierte Sakamoto die Szene, verpasste nur 2025 den Titel wegen einer Fußverletzung. Olympiasilber 2022 in Peking war ihr größtes Stück Münze, doch die WM-Rekordserie katapultierte sie in die Nähe der legendären Irina Rodnina. Nur zwei Frauen holten mehr Weltkrone als ihre vier – und keine von ihnen verabschiedete sich mit einem solchen Finale.

Deutsche Farben fehlten komplett. Alysa Liu, die US-Gold-Olympiasiegerin, sagte Anfang März ab – keine Verletzung, nur keine Lust mehr auf die lange Saison, heißt es im Umfeld. Für die Veranstalter blieb Sakamoto als Superstar genug, um 12 000 Tickets an einem Samstagabend zu verkaufen.

Nach der Siegerehrung fuhr sie mit dem Zamboni eine Ehrenrunde, warf Rosen in die Menge und verschwand mit einem letzten Handkuss in der Mixed-Zone. „Ich will nie wieder Wettkampf-Nerven, aber ich werde jeden Tag aufs Eis gehen, nur ohne Uhr und ohne Punkte“, sagte sie. Die Eiskunstlauf-Welt schaut jetzt auf Chiba, Pinzarrone – und auf ein Loch, das nicht einmal ein Quadruple Axel füllen kann.