Wirtz rettet nagelsmanns experiment: 4:3 gegen die schweiz offenbaut tiefe risse

Florian Wirtz trug die DFB-Auswahl mit vier Scorerbeteiligungen auf seinen Schultern – und verpasste, dass wir über die Defensive sprechen müssen. Der 4:3-Sieg gegen die Schweiz schmeckt nach Sieg, riecht aber nach Arbeitsbeschaffung. Julian Nagelsmanns erstes Länderspiel im WM-Jahr 2026 liefert ein Bild voller Widersprüche: Offensiv zaubernd, defensiv stotternd.

Warum tah und schlotterbeck plötzlich als promille-polizisten wirkten

Jonathan Tah verschlief Breel Embolos Kopfball wie einen Montagmorgen-Wecker, Nico Schlotterbeck spielte Risko-Pässe, als hätte er BVB-Turbos drauf. Beide kassierten Noten, die selbst ein Gymnasiallehrer verschweigen würde. Die Zahlen sind schonungslos: Drei Gegentore aus dem Nichts, zwei davon nach individuellen Fehlern. Oliver Baumann stand so verlassen da, dass man ihm fast eine Thermoskanne Kaffee anbot.

Joshua Kimmich lief 11,2 Kilometer – und trotzdem wirkte seine Seite wie ein Geisterfahrstreifen. David Raum schoss Ecken, die dem Schweizer Tor gefährlicher waren als mancher Konter der Nati. Leon Goretzka? Fahrig. Löw wäre ins Mikrofon geflucht. Der Ex-Bayern-Profi verpasste nicht nur Monteiro beim 3:3, er verpasste auch die Gelegenheit, sich für die WM-Startelf zu empfehlen.

Sanés formtief und das woltemade-phänomen

Sanés formtief und das woltemade-phänomen

Leroy Sané tauschte Tempo gegen Tretminen ein. Kein Sprint, keine Gefahr, keine Zukunft? Für den Flügelspieler tickt die Umdrehung runter. Nick Woltemade kam, sah, verfehlte – und trotzdem wirkte sein Kurz-Cameo wie ein Frischekick. Lennart Karl lieferte mit seiner Vorarbeit auf Goretzka (76.) das Sahnehäubchen eines Debüts ab. Die Münchner Kantine dürfte morgen ganz gut klingeln.

Florian Wirtz aber war das magnetische Feld, in dem alle Bahnen endeten. Doppelpass mit Havertz, Steckpass auf Gnabry, Traumtor zum 3:2 – das war keine Leistung, das war ein Kunstfilm. Mit zwölf Ballkontakten im gegnerischen Strafraum vor der Pause setzte er einen Rekord, den selbst Messi in seinem Barcelona-Frühstück nicht angerissen hat. Die Note 1 war noch gnädig.

Julian Nagelsmann muss nun entscheiden: Will er eine Mannschaft, die spektakulär gewinnt und spektakulär kassiert? Oder schraubt er an der Schiene, bevor Frankreich und Spanien kommen? Die WM rückt näher, die Risse auch. Wer am Ende jubelt, wird nicht nur vom Talent leben, sondern von der Schweißarbeit, die jetzt beginnt. Der Sieg war ein Alarmschrei – mit Ohrwurmqualität.