Sabalenka kontert dubais turnierchef: „spielerinnen sind kein ticketvieh“
Aryna Sabalenka lässt nicht mit sich spaßen. Nachdem Dubai-Turnierdirektor Salah Tahlak Rückzieher von Topstars wie ihr und Iga Świątek mit Punkteabzug und empfindlichen Geldstrafen belegt sehen will, schlägt die Weltranglistenerste zurück – mit einem Frontalangriff, der die Tour erschüttert.
„Traurig, dass turniere uns nicht schützen“
„Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder nach Dubai zurückkehre“, sagt Sabalenka in Miami, knapp 48 Stunden nach ihrem Triumph in Indian Wells. „Was er fordert, ist lachhaft. Wir sind keine Maschinen, die man einschaltet, wenn die Kasse klingelt.“ Tahlak hatte öffentlich moniert, Ausfälle wie bei Świątek („nicht mental bereit“) oder Sabalenka („leichte Blessuren“) schadeten dem Image und schmälerten die Ticket-Nachfrage. Seine Lösung: Strafpunkte und zusätzliche Bußgelder.
Die Reaktion der 25-Jährigen kommt ohne diplomatische Nebengeräusche. „Wenn sich ein Turnierchef wünscht, dass man mit Fieber oder angerissenem Knie aufschlägt, nur damit die Logen voll sind, hat er die Realität des Leistungssports nicht verstanden.“ Die Weißrussin spielt den Ball mit Wucht zurück: „Unsere Gesundheit zählt mehr als ihre VIP-Listen.“

Ein kalkuliertes risiko mit signalwirkung
Intern werten Manager die Attacke als Warnschuss. Die WTA hat durch die neue Roadmap 2024 ohnehin den Druck erhöht: Wer Startverbote ignoriert, fliegt aus der Champions-Race. Doch genau diese Regelung gerät nun ins Kreuzfeuer. „Wenn wir gezwungen werden, zwischen Punktverlust und Gesundheit zu wählen, verliert am Ende jeder – die Spielerin, das Turnier, die Fans“, so Sabalenka.
Die Zahlen geben ihr recht: In Dubai fehlten sieben der Top-Ten, in Indian Wells meldeten 15 Spielinnen physische oder mentale Ausfallzeiten. Die Tour verzeichnet 2024 bereits 23 Walkovers vor dem Viertelfinale – ein historischer Negativrekord. Gleichzeitig kassiert die WTA aus TV- und Sponsoringrechten Rekordeinnahmen von 1,4 Milliarden Dollar. „Die Kluft zwischen Profit und Spielerschutz wird zur Schneise“, sagt eine Insiderin.
Sabalenka nimmt sich selbst aus dem Schlaglicht: „Ich spreche nicht nur für mich. Jede, die hier aufschlägt, hat schon mal mit Schmerzmitteln trainiert.“ Sie kündigt an, das Thema auf der kommenden Spielerversammlung in Madrid auf die Tagesordnung zu setzen. „Wer glaubt, dass Angst vor Strafen uns gesünder macht, irrt. Nur echte Erholung schützt vor echten Verletzungen.“
Der nächste Schlagabtausch steht bevor: Wenn die WTA die Strafvorlage auf die Agenda setzt, droht Sabalenka mit Boykott – und sie ist keine, die Drohungen nur in den Raum stellt. Die Botschaft ist klar: Ticketumsatz hin oder her, die Nummer eins lässt sich nicht zum Rabenmutter der Profitgier machen.
