So verpasste franz beckenbauer den uefa-thron – und sein manager immer noch trauert
Ein Satz, 14 Jahre alt, nagt an Marcus Höfl: „Franz hätte UEFA-Präsident werden können.“ Der Mann, der den Kaiser jahrelang vermarktete, packt im Sport1-Podcast „Deep Dive“ aus – und liefert das erste Mal Zahlen sowie Hintergünde, warum die größte Sport-Ikone Deutschlands auf den mächtigsten Job Europas verzichtete.
Die Szenerie ist schnell skizziert: 2011, Backroom-Gespräche in Nyon, Michel Platini will nach Fifa, die Uefa-Führungsebene sucht einen Nachfolger mit Strahlkraft. Intern kursiert ein Name – Franz Beckenbauer. Höfl: „Es gab eine geschlossene Front, niemand hätte es besser gemacht.“ Drei Jahre zuvor hatte der Münchner mit seiner WM 2006 bewiesen, dass er Verbände, Politik und Sponsoren gleichermaßen bedient. Die Fan-Meile am Brandenburger Tor, eine Million Menschen, laut Polizei die größte friedliche Versammlung der deutschen Nachkriegsgeschichte. Beckenbauer blickt von der Bühne und sagt den Satz, den Höfl bis heute zitiert: „Schau, so hat der liebe Gott sich die Welt vorgestellt.“
Doch statt ins Uefa-Hauptquartier zog es den „Kaiser“ nach Hause. Keine Mail-Adresse, keine Lust auf neue Reisen. „Er wollte einfach nicht mehr weg“, sagt Höfl. Die Familie galt fortan als Priorität. Ein Detail, das selbst Insider erstaunt: Beckenbauer besaß bis zu seinem Tod 2024 keine E-Mail. „Er fand jemanden, der das für ihn erledigte“, lacht Höfl, „das war seine Art von Digitalisierung.“

Der deal, der nie stattfand: 30 millionen euro für den deutschen fußball
Höfl spricht erstmals über die Folgen. Geschätzt hätte ein Präsident Beckenbauer der DFB jährlich 25 bis 30 Millionen Euro an zusätzlichen Marketing-Erlösen beschert, allein durch neue Sponsoren aus Asien und Amerika. „Er war der vereinendste Kopf, den ich kannte“, betont der Manager. „Kleine Nationen liebten ihn, weil er nie herablassend wirkte, die Großen respektierten ihn, weil er Titel und Charisma besaß.“
Die Gelegenheit verflüchtigte sich, als Platini doch blieb und später durch den Fifa-Skandal fiel. Beckenbauer zog sich ins Private zurück, Höfl baute seine Agentur weiter aus. Heute, so sagt er, frage ihn noch jeder dritte Geschäftspartner: „Was wäre gewesen, wenn Franz Uefa-Chef geworden wäre?“ Die Antwort bleibt offen. Nur so viel: Für Höfl war es die ungenutzte Karrierechance nicht nur seines Klienten, sondern auch seiner selbst.
Am Ende bleibt ein Befund: Selbst Legenden müssen Prioritäten setzen. Beckenbauer wählte die Familie statt der Macht – und die Geschichte des Europäischen Fußballs verlief anders, als viele sie sich damals in Nyon ausgemalt hatten.
