Saar-handball am boden: zwei siegesserien platzen am selben tag

Die 3. Handball-Bundesliga hat dem Saarland am Samstag einen Doppel-K.o. verpascht. Spitzenreiter HG Saarlouis kassierte nach 14 Siegen die erste Pleite (28:37 gegen HSG Hanau), TV Homburg folgte mit 31:37 gegen Longericher SC Köln. Die Liga ist damit wieder offen – und die Saar-Duelle gewinnen eine neue Schärfe.

Die serie ist gerissen – und mit ihr die aura

37 Minuten lang hielt die HG Saarlouis die Gäste aus Hanau in Schach, dann fiel die Schere: 20:27, fünf Tore in fünf Minuten, die Abwehr wirkte plötzlich wie ausgewechselt. Coach Bastian Roth stand mit verschränkten Armen an der Linie, aber selbst seine Auszeit brachte nur zwei Minuten Ruhe. Hanau spielte wie entfesselt, Kreisläufer Johannes Schäfer traf dreimal aus dem Rückraum, und Saarlouis’ sonst so sicherer Torhüter Lukas Krec wirkte sichtlich von der Drehung des Gegners überrascht. Die 28:37-Endstand zieht die Saarländer auf Platz drei – erstmals seit Ende Oktober nicht mehr an der Spitze.

Die Zahne zeigt das Spiel auch in der Statistik: 14 technische Fehler, zweimal so viel wie im Schnitt der letzten Wochen, und eine Fangquote von nur 18 % – das reicht nicht einmal in der Regionalliga. „Wir haben Hanau Einladungen geschickt, die man in dieser Liga nicht verschicken darf“, sagte Roth nach dem Abpfiff, ohne die Stimme zu heben. Es klang nicht wie ein Witz.

Homburg liefert mit, verliert trotzdem

Homburg liefert mit, verliert trotzdem

Im Duell der Kellerkinder zeigte TV Homburg zumindest Moral. Bei 19:19 schien die Partie offen, doch dann zündete Köln eine 6:0-Serie. Grbavac traf zwar neunmal, Resende siebenmal, aber wer hinten keine Handbreit Wand aufbaut, dem nützen die besten Würfe nichts. 31:37 – die dritte Niederlage in Folge, und die Abstiegsränge rücken näher. Die Fans verließen die Halle, ohne Pfiffe, nur mit dem dumpfen Gefühl, dass der Knoten diese Saison nicht mehr platzen will.

Die Tabelle lügt nicht: Homburg steht bei 12:28 Punkten, nur zwei Zähler vor dem ersten direkten Abstiegsplatz. Die nächsten Gegsteuer? Auswärts in Emsdetern, daheim gegen den TVB 1898 Stuttgart – beide Teams, die sich ebenfalls im Sumpf bewegen. Es riecht nach Endspiel, schon wieder.

Saarland schaut jetzt nach vorne – und nach hinten

Saarland schaut jetzt nach vorne – und nach hinten

Für die HG Saarlouis geht es am Sonntag nach Limburg. Dort wartet die HSG Wetzlar II, ein Aufstiegskandidat, der die Saarländer nur zwei Punkte hinter sich lässt. Die Partie wird live auf Sportdeutschland.TV übertragen – ein Sechs-Punkte-Spiel, bevor die Meisterrunde startet. Verliert Saarlouis erneut, droht der Absturz auf Rang fünf, und der Traum vom Wiederaufstieg verflüchtigt sich in der Winterkälde.

TV Homburg muss bereits am Mittwoch ran. Das Nachholspiel beim TV 1893 Neuhausen wird zur Zitterpartie: ein Sieg würde die Kurve nach oben zeigen, eine weitere Pleite die Rest-Saison zur Farce machen. Trainer André Koglin hat die Woche genutzt, um die Abwehr auf Null zu stellen – zumindest in der Theorie. In der Praxis fordert er „eine 60-minütige Leistung, nicht nur 40“.

Am Ende des Spieltags steht eine Erkenntnis: Die 3. Liga schlägt zurück. Sie macht keine Geschenke, sie verlangt Tribut – und der Saarland-Handball hat gerade die Rechnung bekommen.