Rv münster erklärt machtmissbrauch-vorwürfe für erledigt – betroffene sprechen von verrat
Der Ruderverein Münster hat seine interne Prüfung zu Vorwürfen gegen Cheftrainer Thorsten Kortmann abgeschlossen und spricht von «nicht erhärteten» Vorwürfen. Die Betroffenen reagieren mit Fassungslosigkeit: Sie fühlen sich erneut missachtet – und die nächste Welle des Vertrauensverlusts rollt durch den Westdeutschen Ruderverband.
Der verein wäscht seine hände in weiß
Die Pressemitteilung klingt wie ein Freispruch: «Schwerwiegende Vorwürfe physischer Übergriffe, sexistischer Äußerungen … konnten nicht bestätigt werden.» Lediglich «unangemessene Kommunikation» habe man festgestellt. Für den RVM ist der Fall damit erledigt. Für Mia, Tobit und rund ein Dutzend weitere Athletinnen und Athleten ist er damit erst richtig eröffnet.
Sie hatten im vergangenen Jahr beim WDR von Schreikriegen, Demütigungen und sexistischen Sprüchen erzählt – begleitet von eidesstattlichen Versicherungen. Die Reaktion des Vereins: ein internes Gutachten, das niemand einsehen darf, und eine Entschuldigung, die laut eigenen Angaben nie stattfand. «Mir wurde eine Entschuldigung angeboten, die hat aber nicht stattgefunden», sagt Mia im Gespräch mit der Sportschau. In der ursprünglichen Pressemitteilung hieß es stattdessen: «Die Entschuldigung wurde angenommen.» Nach einem Telefonat mit den Betroffenen wurde der Satz stillschweigend entfernt – ein Mini-Skandal im Skandal.

Der untersuchungsbericht bleibt im tresor
Weder Mia noch Tobit kennen den Abschlussbericht der Münsteraner Anwaltskanzlei. Auch andere Zeugen wurden laut eigenen Angaben nicht einmal über das Ergebnis informiert. Stattdessen erfuhren sie via Homepage, dass ihr Leid «nicht erhärtet» sei. «Ich verstehe nicht, wie man sich diese riesige Menge an Meldungen durchlesen kann und nicht zu dem Schluss kommt, dass der Verein in den letzten Jahren für viele Personen kein sicherer Ort war», sagt Mia.
Der Nordrhein-Westfälische Ruderverband, der Kortmann nach den Vorwürfen vorläufig von seinen Aufgaben entbunden hatte, stellte die Mitteilung des RVM mittlerweile kommentarlos auf seiner Internetseite ein. Die Ansprechstelle für Prävention, die der Verband eigens eingerichtet hatte, legte ihre Aufgaben kurz darauf nieder – «divergente Auffassungen darüber, wie Betroffenenperspektiven wahrgenommen werden», heißt es in der internen Mitteilung. Der Verband schweigt zu Fragen nach dem Bericht und zu möglichen Konsequenzen.

Neue klagen sind bereits eingegangen
Mittlerweile haben sich weitere ehemalige Sportlerinnen und Sportler an die unabhängige Beratungsstelle «Anlauf gegen Gewalt» gewandt. Sie wollen ein zweites Gespräch mit dem Vorstand – diesmal mit rechtlicher Begleitung. «Wir sind wieder einen Schritt zurückgegangen», sagt Tobit. Die Pressemitteilung habe «Vertrauen zerstört» – nicht nur in den Verein, sondern in den gesamten Rudersport.
Der RVM selbst bietet an, «weiterhin Gespräche zu führen». Doch die Betroffenen verlangen mehr: einen öffentlichen Bericht, echte Transparenz und ein Signal an alle Nachwuchsathleten, dass Anzeigen nicht im leeren Raum verpuffen. Solange das ausbleibt, bleibt auch der bittere Beigeschmack – und die Frage, ob Talente künftig woanders ihr Boot zu Wasser lassen.
