Rutten verspielt premiere: curaçao cedet 0:2 gegen china - dfb-gegner in auftaktnöten

Sydney ahnte, was auf die DFB-Elf zukommt. Curaçao, Deutschlands erster WM-Gegner, verlor Fred Ruttens Debüt als Bondscoach 0:2 gegen china. Die Tore fielen kurz vor und kurz nach der Pause: Wei Shihao nutzte den Nachschlag zur 1:0-Halbzeitführung, Zhang Yuning erhöhte in der 59. Minute per Direktabnahme. Ein Eigentor? Nein, ein Warnschuss für Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Rutten übernimmt, rutten verliert - und die uhr tickt

Der ehemalige Schalke-Coach hatte im Februar das Ruder von Dick Advocaat übernommen, der 78-jährige Oranje-Veteran war aus familiären Gründen abgetreten. Knapp 100 Tage bleiben, um die kleinste WM-Teilnehmernation aller Zeiten matchfit zu machen. Gegen china wirkte das Team wie eine lose Aneinanderreihung von Individualfehlern: 38 % Ballbesitz, nur zwei Torschüsse aus dem Spiel, kein einziger Eckball nach der Pause.

Die Statistik lügt nicht. Curaçao stand mit einer Fünferkette tief, scheiterte aber an der zweiten Welle. Sobald die Chinesen das Zentrum verkleinerten, brach die ballorientierte Pressinglinie auseinander. Rutten stellte um auf 4-3-3, brachte mit Rangelo Janga eine zusätzliche Spitze – doch die Lücke zwischen Mittelfeld und Angriff blieb. Ein 0:2, das sich wie ein 0:5 anfühlte.

Gruppe e wird zur gruppe der angst

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Am 14. Juni in Houston trifft Deutschland auf den Inselstaat. Danach folgen Elfenbeinküste und Ecuador – alles Teams mit mehr Tempo und Körpersprache als Curaçao in Sydney. Für Nagelsmann ist das keine Beruhigungspille. Die deutsche Analyseabteilung muss die Testspielvideos neu codieren: Wo war die kompakte Defensive, die in der Quali noch zum Markenzeichen wurde? Wer deckt die halblinks Räume, wenn Linksaußen Leandro Bacuna nach vorne rückt?

Ein Detail verrutten die meisten Berichte: Curaçao reiste ohne sieben Stammkräfte – daron Captain Cuco Martina und Torjäger Juriën Gaari. Das erklärt, nicht entschuldigt. Denn auch china verzichtete auf seine Europalegionäre Li Lei und Wu Lei. Die Tatsache, dass die asiatischen Gäste dennoch zweimal das Aluminium trafen, spricht Bände über die Verunsicherung in Ruttens Elf.

Die WM-Tickets sind bereits gedruckt, doch die Rollen sind nicht verteilt. Curaçao als leichtes Opfer? Nach dieser Vorstellung will niemand mehr die Hand ins Feuer legen. Deutschland muss gewinnen, klar. Aber der Druck wächst mit jedem Gegentor, das Nagelsmanns Analysten in den nächsten 80 Tagen sehen werden. Die Botschaft aus Down Under: Kein Spiel ist ein Selbstläufer – schon gar nicht in einer Gruppe, in der sich alle gegenseitig studieren.