Russland feiert comeback-gold: worontschichina schlägt zurück

Ein Schlag ins Gesicht des IPC. Warwara Worontschichina jagt Russland nach zwölf Jahren ohne eigene Hymne zurück auf die oberste Stufe – und niemand in Cortina kann’s verhindern.

Die tränen von cortina: sibirischer adler überflügelt arsjö

1:15,60 Minuten. Die Zahl steht wie ein Exempel. 1,96 Sekunden Vorsprung vor der Französin Richard, 2,04 vor der schwedenden Unschlagbaren Ebba Arsjö, seit zwei Jahren ohne Niederlage im Super-G. Doch an diesem Montag riss Worontschichina die Serie mit einem Schwung, der selbst Arsjö mit der Hände vor dem Gesicht sinken ließ. Die 23-Jährige aus Ust-Kut am Baikal hatte sich nach dem Seitenwechsel nur kurz gesammelt – dann fegte sie durch die Tore, als wären es die zwölf verlorenen Jahre.

Deutschland schaut betroffen zur Seite. Anna-Lena Forster, eine Stunde zuvor noch als Favoritin gehandelt, flog nach einem zu späten Sprung ins Out. „Ich war überrascht über den weiten Sprung“, sagte sie mit zitternder Stimme. Andrea Rothfuss wurde Vierte, drei Sekunden hinter der Russin – eine Welt, in der sich niemand wiederfinden will.

Weiß-rot-blau statt neutralflagge: ipc verspielt letzte glaubwürdigkeit

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Die Generalversammlung des IPC hatte im Dezember die Wiedereingliederung beschlossen, sechs Wildcards verteilt, den Rest der politischen Realität ignoriert. Als die erste Takte der russischen Hymne erklangen, applaudierten einige, doch viele blieben sitzen. Pawel Roschkow, Präsident des RPC, sprach vom „Beginn von etwas Großem“. Kritiker nennen es PR-Kalkül.

Sportminister Degtjarjow postierte sich sofort auf Telegram: „Unsere Fahne ist zurück.“ Die Botschaft ist klar: Sanktionen hin, Krieg hin – wer Gold holt, bekommt die Bühne geschenkt.

Restprogramm für forster: slalom, riesenslalom, super-kombi

Morgen um 9.00 Uhr startet die Super-Kombination, Forsters nächster Anlauf auf Edelmetall. Die 28-Jährige hat noch Slalom und Riesenslalom in petto, ihre Lieblingsdisziplin. Nach fünf Hundertsteln Vorsprung beim gestrigen Abfahrtsgold weiß sie: Es geht schneller, als man denkt. Das deutsche Team bleibt bei sieben Medaillen stehen, der Anschluss an die Spitze rückt in weite Ferne.

Die Zahlen sprechen für sich: 0 Medaillen an diesem Tag, 1 russisches Gold nach 12 Jahren Boykott. Wer denkt, Sport und Politik ließen sich trennen, hat heute die Rechnung ohne Warwara Worontschichina gemacht.