Ruhpolding will wm zurück: neuner-glück von 2012 wird zum turbo
Ruhpolding schickt sich
an, die Biathlon-WM nach Deutschland zurückzuholen. Der Chiemgau-Ort will 2032 oder 2033 erneut die Krönung des Wintersports ausrichten – 14 Jahre nach Magdalena Neuners Megaparty mit vier Goldstücken.Der Deutsche Skiverband (DSV) bestätigte den offiziellen Bewerbungswunsch. Der Gemeinderat stimmte dem Vorhaben laut DSV mit „sehr großer Mehrheit“ zu. Jetzt beginnt die heimliche Fristenjagd: Bis Mai 2028 muss das komplette Dossier beim Weltverband IBU liegen. Der IBU-Kongress im Herbst 2028 entscheidet dann parallel über 2032 und 2033.
Oberstdorf blockiert 2031 – ruhpolding nutzt die lücke
Warum erst in vier Jahren? Der DSV pfeift gleich zwei Großereignisse an. Oberstdorf liegt im Rennen um die Nordische Ski-WM 2031. Sollte der Allgäu-Ort den Zuschlag bekommen, rückt Ruhpolding für die Folgejahre in den Fokus. Doppelbelastungen will der Verband vermeiden. Intern heißt es: „Eine WM pro Jahrzehnt pro Region – das reicht.“
Ruhpolding trägt das Prädikat „bewährt“. 1979, 1985, 1996 und zuletzt 2012 war der Luftkurort schon Austragungsort. Bei der letzten Ausgabe feierte Magdalena Neuner vor heimischem Publikum ein Quartett Medaillen – drei Gold, eine Silber. Die Bilder von ihren Siegesläufen ziehen noch heute durch die sozialen Netzwerke und schüren Sehnsucht nach einer Neuauflage.
Die letzte deutsche Heim-WM fand 2023 in Oberhof statt. Dort schoss sich der DSC auf Hochtouren, doch die Infrastruktur kriselt. Ruhpolding dagegen bietet eine frisch sanierte Schießanlage, eine Arena mit 18 000 Plätzen und eine Zufahrtsstraße, die selbst im Schneechaos noch funktioniert. Sponsoren stehen Schlange – ein Plus, das der IBU zuprostet.

Nachhaltigkeit wird zur zugbedingung
DSV-Präsident Jörg Flechtner nennt das Projekt „starke Botschaft für den Biathlonsport in Deutschland“. Doch der Begriff „nachhaltig“ fällt in jedem zweiten Satz. Künftig müssen Bewerber nachweisen, dass sich Arenen danach nicht zu Weißen Elefanten entwickeln. Ruhpolding plant deshalb ein modulares Konzept: Tribünen lassen sich abbauen, die Schießanlage wird zum Trainingszentrum, Hotels sollen außerhalb der WM-Tage mit Klinikbetten und Tagungsgästen gefüllt bleiben.
Die regionale Wirtschaft rechnet sich schon jetzt einen dreistelligen Millionen-Effekt aus. Der Tourismusverband Chiemgau hofft auf Nachfrage aus Skandinavien und Osteuropa. Lokale Handwerksbetriebe werben schon um Vorverträge für Bauzäune, WLAN-Netze und Shuttle-Systeme.
Doch es gibt Hürden. Der Klimawandel drückt auf die Schneekanone. Die letzten Winter waren wechselhaft. Ruhpolding betreibt bereits eine der größten Beschneiungsanlagen Europas, doch Wasserrechte und Energiekosten steigen. Die IBU verlangt einen CO₂-Fußabdruck – ein Punkt, an dem schon einige Bewerber scheiterten.
Die Athleten sind längst Feuer und Flamme. Denise Herrmann-Wick sagte kürzlich: „Ruhpolding ist ein Publikumsmagnet – die Bahn ist technisch, die Stimmung emotional.“ Ihr Kollege Benedikt Döll ergänzt: „Wenn wir hier Weltmeister werden, hört man den Jubel bis nach Salzburg.“
Die Uhr tickt. In zwei Jahren muss das Konzept stehen, in vier Jahren die Bewerbung, in sechs Jahren die Entscheidung. Ruhpolding hat den Anspruch, nicht nur eine WM zu veranstalten, sondern die modernste überhaupt. Die Neuner-Euphorie von 2012 ist längst Geschichte – die nächste Kapitelüberschrift könnte lauten: Heimspiel 2.0.
