Ruhpolding knöpft sich 2032/33 die wm vor – im rücken ein neuner-schatten
Ruhpolding will zurück
auf die größte Biathlon-Bühne. Der Gemeinderat stimmte am Dienstagabend mit großer Mehrheit für eine neue Kandidatur – fünf nach zwölf Jahren Pause. Frühestens 2032 oder 2033 könnte der Chiemgau wieder Goldregen, Fanschluchten und Magdalena-Neuner-Gänsehaut erleben.Der zeitplan ist ein spießrutenlauf
Der Deutsche Skiverband (DSV) muss erst einmal Oberstdorf durchbringen. Die Bewerbung für die Nordische Ski-WM 2031 liegt auf dem Tisch, die finale Präsentation folgt im Mai 2028. Erst wenn der FIS-Kongress im September 2028 den Allgäuern den Zuschlag erteilt, darf Ruhpolding offiziell für Biathlon-WM 2032 oder 2033 ins Rennen. Der IBU-Kongress entscheidet im Herbst 2028 parallel über beide Austragungsjahre. Für DSV-Präsident Jörg Flechtner ist das „ein dicker Kalender, aber wir lieben Druck“.
Die Marke Ruhpolding zieht. 1979, 1985, 1996 und zuletzt 2012 strahlte die Arena mit 44 000 Zuschauern pro Tag. Die Neuner-Festspiele sind Legende: vier Medaillen, zwei Gold, ein Abschied in Tränen – und ein Sound, der bis heute nachhallt. Die Organisatoren wollen genau dieses Erbe aufpolieren: neue Tribüne, erweiterte Mixed-Zone, klimaneutrale Beschneiung bis 2029. Hermann Hipf, Chef des lokalen OK, nennt das Projekt „Investition in die nächste Generation – und in Hotelzimmer, die seit 2012 auf neue Gäste warten“.TAG14 Ruhpolding tritt gegen
Die konkurrenz schläft nicht
Für die Region bedeutet eine WM ein Plus von rund 80 Millionen Euro Bruttoumsatz, so die letzte Studie der Uni Innsbruck aus 2017. Die Hotellerie meldet bereits 65 Prozent mehr Voranfragen für Januar 2032 gegenüber 2023. Und die Einheimischen? Die meisten winken ab: „Erstmal schaun, dass der Weltcup im Januar läuft, dann reden wir 2032“, sagt Ortswirt Maria Gruber. Ihr Restaurant an der Loipe macht 30 Prozent des Jahresumsatzes an nur zehn WM-Tagen – das rechnet sich, „wenn die Schneekanonen nicht streiken“.
Die letzte hürde heißt klimagesetz
Neu ist die Auflage der IBU, künftige WM-Austragungsorte müssen bis fünf Jahre vor Turnierbeginn einen CO₂-Fußabdruck von unter 35 000 Tonnen nachweisen. Ruhpolding plant Photovoltaik auf allen Dächern der Arena, E-Mobile für das Sicherheitspersonal und Bahntickets in jedem Ticketsubskriptionspaket. Keine leichte Übung, wenn 120 000 Fans an drei Wochenenden anreisen wollen. „Wir bauen nicht nur eine WM, wir bauen ein klimaneutrales Schaufenster“, sagt Projektleiterin Lisa Eckl, 28, einstige Slalom-Hoffnung und heute Diplom-Geografin. Die ersten Gutachten sollen im Dezember vorliegen.
Bleibt die Frage: Reicht die Magie von einst, um 16 Jahre nach Neuner den Medienrummel neu zu entfachen? Die Antwort lautet: Ja – wenn Oberstdorf 2031 grünes Licht bekommt und der DSV bis 2028 seine Hausaufgaben macht. Der Countdown läuft. Ruhpolding hat den Willen, Deutschland hat die Erfahrung, und die IBU wartet auf ein Konzept, das Geschichte und Zukunft unter einen Hut bringt. Entscheidender Vorteil des Chiemgau: Hier schlägt das Herz des deutschen Biathlons – und das hört man auch 12 000 Kilometer übertragungsweltweit.
