Roubaix wird zur kunst: ein gemälde enthüllt die seele des klassikers

Die Paris-Roubaix, ein Rennen, das für seine brutale Schönheit und unerbittlichen Kopfsteinpflasterstraßen bekannt ist, hat nun auch einen Platz in der Kunstgeschichte gefunden. Ein Gemälde aus dem Jahr 1912, „Al Velodromo“ (Au Vélodrome) von Jean Metzinger, wirft ein neues Licht auf das ikonische Rennen und seine Helden.

Ein blick zurück: crupelandt, futurismus und kubismus

Ein blick zurück: crupelandt, futurismus und kubismus

Das Ölgemälde, das sich in der Sammlung Peggy Guggenheim in Venedig befindet, zeigt Charles Crupelandt, den einzigen Sieger der „Königin der Klassiker“, der in Roubaix geboren wurde. Crupelandt, ein Pionier des französischen Radsports, gewann das Rennen 1912 und 1914 und wurde zu einem Symbol für die Prinzipien des Futurismus und des Kubismus. Metzinger, neben Picasso und Braque einer der Begründer des Kubismus, ließ sich von der Atmosphäre des Rennens am Roubaix-Velodrom inspirieren.

Was auf den ersten Blick wie ein einfaches Porträt eines Radfahrers erscheint, offenbart bei genauerer Betrachtung eine tiefere Bedeutung. Die Details, wie die Hände Crupelandts auf dem Lenker, die Dynamik der Bewegung und die Atmosphäre des Velodroms, werden auf faszinierende Weise eingefangen. Besonders bemerkenswert ist die Verwendung von Collagen aus Zeitungsfragmenten, die den Tag des Sieges von Crupelandt zelebrieren, sowie die Einbeziehung von Sand in die Farbe, die dem Bild eine zusätzliche Textur verleiht.

Die „Paris-Roub“-Inschrift auf dem Gemälde ist ein weiterer Hinweis auf den historischen Kontext. Metzinger war von der Herausforderung der Fahrer auf den unebenen Kopfsteinpflasterstraßen beeindruckt – ein Anblick, den er in keiner anderen Region Frankreichs zuvor gesehen hatte. Er beobachtete das Rennen vom Velodrom aus und nutzte seine Beobachtungen, um dieses bemerkenswerte Werk zu schaffen.

Die Wahl des Themas, eines Radfahrers in Bewegung, und die Betonung von Spannung und Geschwindigkeit sind charakteristisch für den Futurismus und den Kubismus. Das Gemälde ist somit nicht nur eine Darstellung des Radsports, sondern auch ein Ausdruck eines neuen künstlerischen Sprachgebrauchs. Im Jahr 2012 wurde das Werk im Rahmen einer Ausstellung zum Thema „Ciclismo, cubo-futurismo e la quarta dimensione“ zusammen mit Werken von Umberto Boccioni und Mario Sironi präsentiert, die weitere Beispiele für den Einfluss des Radsports auf die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts sind.

Die Geschichte von Charles Crupelandt selbst ist ein tragisches Beispiel für die Opfer, die der Radsport in den Kriegsjahren forderte. Nach seinem Erfolg auf der Straße, wurde er im Ersten Weltkrieg schwer verwundet, kämpfte mit Alkoholismus und verstarb 1955 fast vergessen. Doch Roubaix und die Paris-Roubaix haben ihm ein Denkmal gesetzt: den „Espace Charles Crupelandt“, einen 300 Meter langen Abschnitt der Strecke, der ihm zu Ehren benannt wurde.

Francesco Moser, dreifacher Sieger der Roubaix, und Giorgio Squinzi, der Verwalter des Mapei-Teams, zeigten 2012 ihr Interesse an diesem historischen Gemälde, ein Beweis für die tiefe Verbindung zwischen dem Radsport und der Kunst.