Rothfuss beendet paralympics-karriere mit platz sieben – fahnen-ehrenposten erwartet sie trotzdem

Andrea Rothfuss ist im Zielraum von Cortina angekommen, doch die Arme bleiben unten. Rang sieben im Slalom der stehenden Klasse – kaum jemand erwartete ein Podest, aber für Rothfuss ist das Ergebnis nur noch eine Fußnote. „Das war mein letztes Paralympics-Rennen“, sagt sie mit ruhiger Stimme, als hätte sie den Satz schon hundertmal geprobt. Nach 20 Jahren, sechs Spielen und 14 Medaillen ist Schluss.

Die kürzeste gold-pause und die längste karriere

Seit Turin 2006 war Rothfuss Teil des deutschen Teams, seit Sotschi 2014 das Gesicht des Para-Ski-Alpin-Sports. Zwölf Jahre nach ihrem Slalom-Triumph in Russland sollte Cortina die Bühnen-Apotheose werden. Stattdessen kam ein 4,5-Sekunden-Rückstand nach Lauf eins, ein Startplatz im zweiten Durchgang, der nur noch der Statistik diente. „Ich habe alles rausgefahren, was noch drin war“, sagt sie im Sportschau-Interview, „aber der Körper meldet sich eben doch.“

Die 36-Jährige hatte sich nach einer Depression fast zwei Jahre vom Weltcup zurückgezogen. Dass sie überhaupt in Italien startete, ist für Sportpsychologen schon ein medizinischer Kraftakt. „Die Medaille war nie das Ziel, sondern die Ankunft“, erklärt Bundestrainer Jürgen Weber – und meint damit nicht nur die Zielmatte.

Fahnenträgerin statt medaillengewinnerin

Fahnenträgerin statt medaillengewinnerin

Am Sonntag wird Rothfuss die deutsche Flagge tragen, gemeinsam mit Snowboarder Christian Schmiedt. Es ist die erste Ehre, die nicht an eine Tagesform gekoppelt ist, sondern an ein Lebenswerk. „Ich werde weinen, das steht fest“, sagt sie und lacht, als hätte sie schon einen Paket Taschentücher bestellt.

Die Bilanz bleibt gigantisch: eine Gold-, neun Silber- und vier Bronzemedaillen – keine deutsche Skifahrerin war länger, keine erfolgreicher. Und keine wird sie so schnell einholen. Denn die Nachwuchs-Konkurrenten wie 17-jährige Maya Fügenschuh bewundern Rothfuss nicht nur, sie nennen sie „die Lehrmeisterin, die uns zeigte, dass man auch mit Krücken tanzen kann“.

Mit Platz sieben verlässt Rothfuss die Bühne, doch die Fahne wird wehen – und damit ein Stück deutscher Sportgeschichte, das erst beginnt, wenn die Skier stillstehen.