Rosario-central-fans schleppen sexpuppen ins stadion – argentinien empört
01:05 Uhr Ortszeit, Spielminute eins: Der Schiedsrichter pfeift ab, aber niemand guckt auf den Rasen. Im Block der Rosario-Central-Ultras wedeln fünf gummierte Frauen mit riesigen Brüsten über die Köpfe der Fans. Sexpuppen, aufgemalt mit Banfield-Gesichtern, zum Teil nackt, zum Teil im Bondage-Outfit. Der argentinische Fußball schlägt wieder einen neuen Negativrekord.
Der plan war einfach: gegner verhöhnen, medien kapern
Was auf Twitter unter dem Hashtag #MuñecasPutoBanfield viral geht, ist kein spontaner Spaß. Die Puppen waren bereits am Vormittag in Umhängetaschen verstaut durch die Sicherheit geschmuggelt worden. Sicherheitskräfte berichten, dass die Dolls mit Luft rausgepumpt im Stadion wieder aufgepumpt wurden – ein Prozess, der laut Augenzeugen kaum fünf Minuten dauerte. Die Aktion war offensichtlich orchestriert: Jedes Tor, jede Grätsche, jede Schwalbe der eigenen Mannschaft wurde mit einem „Sex“-Gesicht auf der Puppe kommentiert.
Der Klub selbst schweigt bislang. Auf Anfrage von TSV Pelkum Sportwelt heißt es lediglich: „Wir prüfen intern.“ Dabei steht die Rechnung für die Vorfälle bereits in den Startlöchern. Die argentinische Liga AFA kann nach Paragraf 17 der Ordnungsrichtlinie Sanktionen bis zu 250.000 Pesos (rund 1.100 Euro) und zwei Heimspiele ohne Zuschauer verhängen. Ein Symbolwert also, der die ohnehin angespannte Wirtschaftslage des Vereins weiter belastet.

Messis heimatklub steht im schatten der puppen
Rosario Central ist nicht irgendein Provinzclub. In der Heimatstadt von Lionel Messi gilt der Klub als kulturelles Herzstück. Genau das macht die Provokation brisanter: Die Bilder kursieren inzwischen auf allen Kontinenten, die Headlines von Madrid bis Sydney lauten: „Argentiniens Fußball verliert die Kontrolle“. Sponsoren, die in den vergangenen Jahren ohnehin wegen Inflation und Zahlungsausfälle zurückhaltend waren, dürften nun endgültig die Reißleine ziehen.
Ein Schelm, wer jetzt noch von Einzeltätern spricht. Die Choreografie war zu perfekt, die Koordination zu laufrund. Und die Kehrseite der Medaille: Banfield-Anhänger konterten mit Plakaten, auf denen zentrale Spieler von Central als Clowns dargestellt wurden. Die Eskalation war programmiert. Nach Spielende mussten beide Fanlager von der Polizei mit Wasserwerfern getrennt werden; 14 Festnahmen, drei verletzte Beamte, ein Stadion, das wieder einmal mehr wie ein Kriegsschauplatz aussieht.
Die Liga wird in den nächsten Tagen tagen. Die Wette steht fest: Entweder sie schlägt hart zu und riskiert Unmut in den Hochburgen – oder sie verhängt ein Alibi-Urteil und verliert die letzte Glaubwürdigkeit. Die Fans haben ihre Botschaft jedenfalls schon losgeschickt: In Argentinien ist das Spiel längst nicht mehr das, was auf dem Rasen passiert. Es ist das, was man mit sich tragen darf: Luft, Gummi – und den makabren Humor einer Szene, die sich selbst nicht mehr ernst nimmt.
