Röiseland will zurück nach norwegen – krebs-diagnose verschiebt seine karriere

Sverre Olsbu Röiseland trägt noch das DSV-Logo auf der Brust, doch sein Herz schlägt schon für Oslo. Der Co-Trainer der deutschen Biathlon-Damen bestätigte gegenüber TV2, dass er beim norwegischen Verband angeklopft hat. Sein Vertrag läuft im Sommer aus – und mit ihm die Geduld der Skandinavier.

Der anruf aus oslo könnte jederzeit kommen

„Ich glaube, jeder Trainer möchte Norwegen trainieren“, sagt der 37-Jährige und klingt dabei nicht wie jemand, der sich mit Nebensätzen abspeisen lässt. Die Hodenkrebs-Diagnose vom Januar hat ihm die Prioritäten neu sortiert. „Arbeit und Familie müssen vereinbar sein“, betont er. Ein Satz, der in der Skiszene ohrenbetäubend klingt, wo 220 Reisetage im Jahr gern als „Leidenschaft“ verkauft werden.

Seit Frühjahr 2022 bastelt Röiseland an der Seite von Mark Kirchner an der deutschen Damen-Mannschaft. Er gilt als Architekt des mentalen Aufschwungs von Franziska Preuß, die ihn intern „den Ruhepol“ nennt. Doch die Gespräche mit dem norwegischen Verband laufen bereits. Wer ihn kennt, weiß: Sobald Röiseland „Interesse signalisiert“, ist das ein Offert, kein Flirt.

Zwischen chemotherapie und weltcup-podest

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Die Diagnose schlug ein wie ein Slapshot in die Bande. Kontiolahti, 14. März: Röiseland informiert die Athleten vor dem Sprint, bevor die Presse es erfährt. „Ich wollte kein Geheimnis daraus machen“, sagt er. Am selben Tag jubelt Denise Herrmann über Platz zwei – und weiß, dass ihr Coach am Abend zur Bestrahlung muss.

Zwei Wochen später sitzt er wieder im Lehmstadion, wirkt magerer, spricht leiser. „Mein Sohn sagt: ‚Papa hat Bauchschmerzen.‘ Das reicht mir.“ Die Familie bleibt in Lillehammer, er pendelt zwischen Klinik und Kontrollstrecke. Keine Staffel, keine Medaille ist das wert, sagt er – aber die Norweger bieten genau das: eine Stelle, die nur 100 Flugminuten von Zuhause trennt.

Deutscher skiverband steht vor der nächsten baustelle

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DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier schweigt bislang. Intern heißt es, man wolle „alle Optionen offen halten“. Doch die Frist tickt. Ohne Röiseland droht der Frauen-Team erneut Umbruch. Nach dem Abgang von Kristina Knott als Sprint-Coach und der Streichung von Stützpunkt Ruhpolding ist die Fachkompetenz dünn geworden. Wer springt ein, wenn der Norweger geht?

Die Antwort könnte schon beim Saisonende in Oslo fallen. Dort findet am 21. März das letzte Rennen statt – und womöglich auch Röiselands Abschiedsparty. Dann steht er vor der Königinnenloge, grüßt in die Kameras – und vielleicht direkt in sein neues Büro.

Für Deutschland wäre das ein Verlust, für Norwegen ein Coup. Für Röiseland die einzige Logik nach einer Diagnose, die alles neu justiert hat.