Rocco reitz rüttelt am fohlenstall: 20-millionen-transfer nach leipzig
Rocco Reitz zieht die Reißleine – und Borussia Mönchengladbach kassiert die dicke Abfindung. Der 23-jährige Kapitän löst seine Ausstiegsklausel und wechselt im Sommer für rund 20 Millionen Euro zu RB Leipzig. Kein anderer Eigenbauspieler brachte den Gladbachern jemals so viel Geld ein.
Die Meldung schlug am Dienstagvormittag ein wie ein Bollern im Borussen-Park. Nach 16 Jahren in Grün-Weiß, nach 96 Pflichtspielen, acht Treffern und sieben Vorlagen, verlässt Reitz den Verein, für den er mit sieben Jahren das erste Mal den Ball rollte. „Ich habe mich entschieden, ab Sommer einen neuen Abschnitt in meiner Karriere zu beginnen“, sagte er. Der Satz klang gefasst, doch die Stimme zitterte leicht.

Der derby-eid vor dem abschied
Am Samstag steht das Rheinische Derby an. Reitz will sich zerreißen. „In jedem verbleibenden Spiel“, versprach er – und meinte vor allem das gegen Köln. Die Fans werden ihn feiern, buhen, vielleicht beides gleichzeitig. Für viele ist er der Held aus der eigenen Jugend, der jetzt zum vermeintlichen Gegner übersiedelt.
RB Leipzig sichert sich die Dienste des Mittelfeldstrategen bis 2031. Er soll Xaver Schlager beerben, dessen Vertrag ausläuft. Sportdirektor Rouven Schröder sieht das Plus: „Der frühe Zeitpunkt hilft uns bei der Planung.“ Klubintern flüstert man, dass mit dem Geld gleich zwei Neue kommen sollen – ein Sechser mit Bundesliga-Erfahrung und ein Flügelspieler aus Südamerika.
Reitz selbst blickt nach vorne. Leipzig bietet Champions-League-Starter, Red-Bull-Netzwerk, einen Neuanfang. Dennoch: In den sozialen Netzwerken hagelt es Vorwürfe. Verräter, Geldsack, Karrierist. Er bleibt cool. „Ich kann verstehen, dass manchem mein Entschluss schwerfällt“, sagt er. „Aber ich muss meinen Weg gehen.“
Die Ablösesumme ist rekordverdächtig, doch der Schmerz sitzt tiefer. Gladbach verliert seinen Kapitän, das Gesicht der neuen Generation. Die Fohlen müssen umlernen, umdenken, umplanen. Leipzig erhält dagegen einen Spieler, der Laufbänder spielen kann, der Ball und Gegner gleichermaßen erlesen kann. Die Frage ist nur: Wird er in der Red-Bull-Maschine noch der Alte bleiben – oder zu etwas Neuem verschmieden?
