Riese wiegele schlägt ein: 2,05 m öfb-debütant jagt wm-ticket
Der österreichische Torwart Florian Wiegele misst 2,05 Meter, trägt Schuhgröße 51 und spielt mit Rugby-Stollen – weil es keine Fußballschuhe für ihn gibt. Seit Montag mischt der 25-Jährige im Teamhotel in Marbella mit und könnte am Freitag (18.00 Uhr, Wien) gegen Ghana zum größten Feldspieler der ÖFB-Geschichte auflaufen. Stefan Maierhofer (2,02 m) rutscht damit auf Platz zwei.
Rangnick liebt das „spannende profil“
Teamchef Ralf Rangnick ließ sich von Torwart-Coach Michael Gspurning vor einigen Wochen ein Video zeigen – und war sofort elektrisiert. „Spannendes Profil“, sagte er und bestellte Wiegele ins Trainingslager. Der steht bei Viktoria Pilsen unter Vertrag, wurde im Frühjahr an den Grazer AK ausgeliehen, kehrte im November als Nummer eins zurück und hielt in der Europa-League-Zwischenrunde gegen Panathinaikos mit 2,05 m Körperhöhe den Kasten sauber.
Dabei war der Weg alles andere als linear. In der Sturm-Graz-Jugend riss ihm der Wachstumsschub mit 16 fast die Knöchel weg. Drei Haarrisse, zwei Jahre Pause, Neuanfang in der Landesliga bei Lebring, dann Regionalliga Gleisdorf, 2023 Durchbruch beim DSV Leoben. „Ich musste mir jede Bewegung neu erlernen“, sagt er. „Aber genau das macht mich heute sicherer im Tor.“

Tempo statt gemütlichkeit
Die tschechische Liga, so Wiegele, lebt von Zweikämpfen und Umschaltmomenten. „Bei uns geht es härter zur Sache als in der österreichischen Bundesliga.“ Slavia Prag spielte diese Saison Champions-League-Gruppenphase, Sparta Prag rückte in der Conference League bis ins Achtelfinale vor. „Das Niveau ist konkurrenzlos für einen österreichischen Klub.“
Im ÖFB-Camp arbeitet er seit Tagen mit Alexander Schlager, Patrick Pentz und Tobias Lawal. Rangnick will allen vier Keepern Testminuten geben – Wiegele könnte gegen Ghana oder Dienstag gegen Südkorea debütieren. „Einmal dabei sein, reicht nicht. Ich will zur WM“, sagt er. Österreich qualifizierte sich 1998 zuletzt für eine Endrunde. „Für uns ist das kein Turnier alle vier Jahre. Das kann die einzige Chance bleiben.“
Er spielt mit Rugby-Schuhen, liest Manuel Neuer als Lehrbuch und trainiert täglich Explosivkraft, um bei flachen Bällen schnell unten zu sein. Mit Romano Schmid, 37 Zentimeter kleiner, verband ihn einst die Sturm-Graz-U15. „Wir lachen darüber, dass wir jetzt das größte und das kleinste ÖFB-Mitglied sind.“
Die Kampagne „Riesen-Chance“ läuft. Wenn Wiegele Freitag zwischen die Pfosten rückt, schreibt er Geschichte – und vielleicht auch die österreichische WM-Story neu auf.
